Hovawartzucht im RZV

Für die Zucht von Hovawarten im RZV bilden die Mindestvoraussetzungen des VDH nur die Grundlage. Die Zucht im RZV wird weit höheren Ansprüchen gerecht.

Ziele der Zucht sind:


Erhaltung der rassespezifischen Merkmale

Zu den rassespezifischen Merkmalen gehören sowohl das Erscheinungsbild eines Hundes als auch sein Wesen. Die rassespezifischen Merkmale sind im Standard verankert.

Hündinnen und Rüden wurden, bevor sie eine Zuchtzulassung des RZV bekamen, auf mindestens einer Zuchtschau vorgestellt und erhielten mindestens die Formwertnote „gut“.

Für die Zucht infrage kommende Hovawarte müssen zwei Zuchtprüfungen bestehen, von denen eine die sogenannte Jugendbeurteilung sein kann und die zweite Prüfung die Zuchttauglichkeitsprüfung sein muss. Es können auch zwei Zuchttauglichkeitsprüfungen abgelegt werden. Hunde, die zweimal hintereinander eine Prüfung nicht bestehen, können keine Zuchtzulassung im RZV mehr bekommen.

Auf den Zuchtprüfungen des RZV werden die Hunde ebenfalls hinsichtlich des Erscheinungsbildes beurteilt. Im Anschluss daran erfolgt die Wesensprüfung, die sich doch recht stark von denen anderer Zuchtvereine unterscheidet.

Durch unsere Zuchtprüfung haben wir Gewissheit, dass im RZV weder mit phlegmatischen noch mit ängstlichen Hunden gezüchtet wird und natürlich, dass alle Hunde dem Standard entsprechen.

Die Durchführung von Zuchttauglichkeitsprüfungen ist ein wesentlicher Aspekt verantwortungsvoller Hundezucht. Sehr genau hinsehen sollte man bei Züchtern, die keinem FCI/VDH – Verband angehören. Diese Züchter und auch die Gesundheit der Hunde werden durch keinen Dachverband kontrolliert.

Sicher gibt es auch dort verantwortungsvolle Züchter. Die Ahnentafeln, die diese Züchter mitgeben, berechtigen nicht zur Teilnahme an Ausstellungen oder Veranstaltungen des VDH für diese Rasse.

Diese Hunde gelten beim VDH als Mischlinge, können aber nach Überprüfung und bei Erfüllung entsprechender Voraussetzungen als Hovawart anerkannt werden.

Genetische Vielfalt und Erhaltung der Zuchtbasis

Der RZV als größter und ältester zuchtbuchführender Verein der Rasse Hovawart begrenzt schon seit vielen Jahren die Deckakte von Rüden. So wurde und wird gewährleistet, dass nicht einige Hunde überproportional viele Zuchteinsätze haben.

Langfristig wird so auch weiterhin gewährleistet, dass Erbkrankheiten nur sehr selten auftreten. Von 600 bis 800 Welpen im Jahr nehmen erfreulich viele an unseren Zuchtprüfungen teil und bestehen diese auch.

So kann die Anzahl der Deckrüden für unsere Züchter auch quantitativ auf hohem Level gehalten werden.

Als größter Hovawart-Zuchtverein unterstützen wir selbstverständlich auch die Kollegialvereine, die gerne unsere Deckrüden einsetzen, um ebenfalls weiterhin gesunde Hovawarte züchten zu können und wenig bis gar keine Inzucht zu riskieren.

Förderung der Gesundheit mit dem Ziel Langlebigkeit

Vor jedem Zuchtvorhaben steht eine Paarungsplanung. Bei der Verpaarung werden die optischen Eigenschaften beider Hunde berücksichtigt. Der RZV achtet schon seit vielen Jahren darauf, dass keine zu großen oder nicht dem Typ entsprechende Hunde gezüchtet werden, denn die Tendenz zu Extremen ist eine der Geißeln der Hundezucht. In unserer Gesundheitsdatenbank sind viele tausend Hovawarte gespeichert.

Treten  Krankheiten auf, werden diese erfasst. (Krankheits-Meldebogen) Ist bekannt, dass eine Erkrankung erblich ist, wird dies in der Paarungsplanung berücksichtigt. Trat die Erkrankung unter den Ahnen des Rüden und denen der Mutter auf, wird die Planung verworfen, wenn sich das Risiko als zu groß erweist.

So wird vermieden, dass Hunde miteinander verpaart werden, deren Nachkommen ein bekanntes Risiko für eine Erkrankung tragen. Diese Strategie hat sich bis heute bewährt.

In unserer Gesundheitsdatenbank werden auch positive Merkmale gespeichert. Die Nachweise über ein sehr hohes Lebensalter ermöglichen uns auch eine Selektion auf Langlebigkeit. Auch wenn sicher keine Planung dieser Welt verhindern kann, dass Hunde erkranken und sterben – manchmal viel zu jung – werden die im RZV gezüchteten Hovawarte nach derzeitigem Kenntnisstand (März 2019) im Durchschnitt fast 12 Jahre alt – manche sogar noch einige Jahre älter.

Die Bekämpfung erblicher Defekte

Der bekannteste erbliche Defekt ist die Hüftgelenksdysplasie. Im RZV zur Zucht zugelassene Hunde sind HD-frei mit dem Befund HD-A oder HD-B. Auch der HD-B Befund ist HD frei – er markiert lediglich eine Übergangsform.

Die sehr hohe Röntgenquote des RZV beweist, dass die züchterische Selektion gegen HD, die wir schon sehr früh eingeführt haben, sehr erfolgreich war und ist. Der Verpaarung aufgrund genetischer Befunde steht der RZV kritisch gegenüber.

Weitere Informationen zur Gesundheit unserer Hovawarte finden Sie unter Gesundheit.

In der Fachliteratur wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Gentests für jede einzelne Rasse validiert werden müssen, um aussagekräftig zu sein. Derzeit gibt es keinen für den Hovawart validierten Gentest. Der RZV unterstützt die Forschung zum Beispiel durch die genetische Untersuchung ALLER Hunde der Jahrgänge 2006 – 2008, mit der wir mögliche Zusammenhänge zwischen seltenen Erkrankungen durch die TiHo Hannover erforschen lassen. Den finanziellen Aufwand trägt der RZV allein.

Zuchtklassen

Im RZV gibt es drei Zuchtklassen: Für die Standardzucht muss weder die Hündin noch der Rüde eine Prüfung im Hundesport abgelegt haben.

Bei Welpen aus Leistungszucht haben beide Eltern oder ein Elternteil und mindestens drei von vier Großeltern der Welpen eine Prüfung im Vielseitigkeitssport (VPG1/IPO1/IGP 1) erfolgreich abgelegt und im Schutzdienst mindestens 80 Punkte erreicht. 

Für eine Gebrauchszucht erfüllen beide Elternteile mindestens eine der folgenden Voraussetzungen: Die VPG1/IPO1/IGP1 wurde mit mindestens 80 Punkten im Schutzdienst bestanden, oder eine Fährtenhundprüfung 2 (FH2), eine Prüfung im Obedience Klasse 2 (OG2), oder eine Prüfung im THS Vierkampf 3 wurden bestanden. Auch eine erfolgreiche Rettungshundeprüfung (Fläche, Trümmer, Lawine oder Wasser) qualifiziert für die Gebrauchszucht.

Die Zuchtklassen sollen als Orientierung dienen. Es ist nicht gesagt, dass Hunde aus einer Leistungszucht „anstrengender“ sind als Hunde aus einer Standardzucht. Und auch ein Hund aus einer Standardzucht kann ein Meister werden.


Allgemeine Informationen zur Zucht

Zucht- worauf wir achten. Hobby bzw. Familienzucht

schließen sich nicht aus, sondern sind Voraussetzung für die Zucht im RZV für Hovawarthunde. Züchter in unserem Verein haben selten mehr als ein bis zwei Zuchthunde und züchten nicht um „des Profits“ willen. Die Hunde leben in den Familien und die Welpen wachsen nicht in Zwingeranlagen, sondern in einem familiären Umfeld mit vielen Erfahrungen und Kontakten auf.

Unsere Züchter müssen viel leisten, bevor sie mit ihren Hovawarten züchten dürfen. Sie haben sich auf einer zweitägigen Züchterschulung genau zu informieren, wie Welpen nach modernen Erkenntnissen aufgezogen und sozialisiert werden. Die Wurfstätte, also der Ort, an dem die Mutterhündin ihre Welpen aufziehen soll, wird vor dem Deckakt von einem Zuchtwart überprüft, damit alles möglichst optimal gestaltet ist. Die Deckrüdenauswahl trifft der Züchter nach intensiver Beratung durch seinen Zuchtwart.

Zwischen den Würfen haben die Hündinnen eine ausreichend lange Pause, um sich wieder zu regenerieren.

Vorher haben die Zuchttiere selbst schon mindestens zwei Wesenüberprüfungen und drei Erscheinungsbildkontrollen bestehen müssen. Sie müssen gesunde Hüften haben und dies durch eine Röntgenaufnahme, die durch einen unabhängigen Gutachter bewertet wird, beweisen. Vor der ersten Zuchtverwendung ist eine Augenuntersuchung Pflicht und es dürfen keine Veränderungen am Auge vorhanden sein. Es darf nur mit völlig gesunden Hunden gezüchtet werden.

Erklärung der Welpenliste – zum besseren Verständnis

Der Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde e.V. ist bestrebt, den Liebhabern der Rasse einen gesunden, wesensfesten und schönen Hund zu bieten.

Deshalb gelten für die in unserem Verein gezüchteten Hunde auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende,  sehr strenge Zuchtbestimmungen.

Mit den folgenden Erklärungen möchten wir Sie mit den, für Sie wichtigen Bestimmungen vertraut machen.

Alle unsere Züchter und Deckrüdenbesitzer haben mit Ihren Hunden folgende Zuchtvoraussetzungen erfüllt :

  • Bestandene Jugendbeurteilung ( JB ) und
  • Bestandene Zuchttauglichkeitsprüfung ( ZTP )
  • Alternativ zwei bestandene ZTP’s
  • Eine Ausstellung mit mindestens dem Prädikat „gut“
  • Untersuchung auf Hüftgelenksdysplasie ( HD ) mit Ergebnis A oder B
  • Untersuchung auf erbliche Augenerkrankungen ohne Befund
  • Einige Hunde haben darüber hinaus an einer freiwilligen Untersuchung auf erbliche Herzerkrankungen teilgenommen.

Die Züchter müssen an einer Züchterschulung teilgenommen haben und werden auf Züchterseminaren mit den neuesten Erkenntnissen vertraut gemacht.

Die Aufzuchtstätte wird von einem Zuchtwart überprüft und abgenommen.

Im RZV für Hovawarthunde wird nur mit Hunden gezüchtet, die das Ergebnis HD-A oder HD-B bekommen haben.

HD ist die Abkürzung für Hüftgelenksdysplasie, eine gefürchtete Erkrankung großer Hunderassen. Diese außergewöhnliche Möglichkeit ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen, sehr strengen Auswahl.

Jeder Hund braucht einen Namen und ein Rassehund bekommt einen Vornamen und einenNachnamen auch „Zwingername“ genannt. Das ist eine altmodische und etwas unglückliche Bezeichnung und bedeutet keinesfalls, dass die Elterntiere und die Welpen in Zwingern leben.

Der Züchter sucht sich diesen „Zwingernamen“ aus und lässt ihn schützen. Er ist also mit dem Züchter und seiner Aufzuchtstätte und nicht mit den Zuchthunden verbunden. In Ausnahmefällen kann der Zwingernamen innerhalb der Familie oder an Freunde weitergegeben werden.

Die Vornamen eines Wurfes beginnen alle mit dem gleichen Buchstaben im Alphabet. Jeder Züchter beginnt mit dem Buchstaben „A“ und geht dann weiter im Alphabet, wobei es völlig unerheblich ist, ob mit der gleichen Hündin gezüchtet wird. Viele Züchter haben so viel Freude am Züchten, dass sie über lange Jahre mit immer neuen, gut kontrollierten Hündinnen züchten.

Die Häufigkeit der Zuchtverwendung von Hündinnen ist zu ihrer Schonung genauen Regeln unterworfen und deshalb auch sehr begrenzt.

Der Zuchteinsatz von Rüden ist zur Erhaltung der genetischen Vielfalt ebenfalls begrenzt.

Vor einer weiteren Zuchtverwendung (bei Hündinnen nach drei Würfen, bei Rüden nach fünf Deckakten) muss die Nachzucht zu einem großen Prozentsatz bei einer vereinseigenen Nachzucht-Beurteilung vorgestellt werden und auf Hüftgelenksdysplasie geröntgt sein. Die Hündin oder der Rüde müssen eine Herzuntersuchung vorweisen.

Der Landesgruppen-Zuchtwart berät den Züchter bei der Wahl des Deckrüden und setzt zur Paarungsplanung die Zuchtwertschätzung ein. Er kontrolliert den Gesundheitszustand der Mutterhündin. Er begutachtet den Wurf in der 1. und 5. Lebenswoche.

Die abschließende Begutachtung der Welpen mit Welpenwesenstest und Erstellung des Wurfabnahmeprotokolls findet in der 8. Lebenswoche statt.

Alle diese strengen Verordnungen und Bestimmungen dienen dem Wohl Ihres zukünftigen Hovawart. Sie können aber auch dazu führen, dass nicht zu jeder Zeit und in jeder Landesgruppe Welpen zur Verfügung stehen.  Daher wäre es möglich, dass Sie einige Zeit warten oder längere Fahrten in Kauf nehmen müssen, um Ihren gewünschten Hund zu bekommen.

In Deutschland kann jeder jederzeit Hunde mit oder ohne Verein aufziehen, ohne die sinnvollen und schützenden Zuchtkriterien zu beachten, deren Grundlagen auch in der Zuchtordnung des Dachverbandes VDH und dem Tierschutzgesetz verankert sind.

Ein Hund ist kein Modeartikel für eine Saison, er soll Sie ein ganzes ausgefülltes Hundeleben lang begleiten. Kaufen Sie den Welpen bei einem unserer Züchter, denn er hat auch später noch Interesse an den von ihm gezüchteten Hunden und wird Ihnen stets mit Rat und Tat zur Seite stehen. Zudem bietet Ihnen der RZV Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Hund und alle Ausbildungsmöglichkeiten beginnend mit der Welpenschule.

Der derzeit empfohlene Welpenpreis liegt zwischen 1.400 € – 1.600 € und versteht sich als Richtpreis, der nichts über die Qualität des Welpen aussagt. Sollte einem Welpen ein zuchtausschließender Fehler bescheinigt werden müssen, wird er genau so sorgfältig wie seine Geschwister aufgezogen, kostet aber nicht den vollen Welpenpreis.

Unsere Hovawarte gibt es in drei Farbschlägen:

blond (b) , schwarzmarken (sm), schwarz (s)

Aus fast allen Verpaarungen können auch wieder alle drei Farben hervorgehen.

Mit zwei Ausnahmen: blond x blond ergibt nur blonde Welpen bzw. schwarzmarken x schwarzmarken nur blonde und schwarzmarkene.

Also können aus einer schwarz x schwarz Paarung auch blonde Welpen hervorgehen, genauso wie aus einer schwarz x schwarzmarken Paarung.

Ebenso kann eine blond x schwarzmarken Paarung schwarze Welpen ergeben und bei einer blond x schwarz Paarung können auch schwarzmarkene Welpen geboren werden.

Allen unseren Hunden wird in ihrer Ahnentafel eine Zuchtbuchnummer zugeordnet. Die Nummerierung ist seit Gründung des Vereins fortlaufend und einzigartig für jeden Hund. Sie umfasst eine fünfstellige Lebendnummer und die letzten zwei Zahlen des Geburtsjahres (00000 – 00). Unsere Welpen werden selbstverständlich alle gechipt, entwurmt und geimpft.

Der Rassezuchtverein für Hovawarthunde ist in 6 Landesgruppen eingeteilt, die  bei jedem geplanten oder gefallenen Wurf aufgeführt werden. Die Landesgruppen entsprechen geographischen Regionen, die historisch gewachsen sind und nicht unbedingt mit den Bundesländern übereinstimmen.

Viele unserer Zuchthunde haben die Begleithundeprüfung (BH/VT) abgelegt. Sie ist eine Überprüfung des Gehorsams und gleichzeitig auch der Sozialisierung und Unbedenklichkeit des Hundes. Zudem ist sie Voraussetzung für weiterführende Prüfungen in allen Bereichen.

Bei der Ausdauerprüfung (IAD) läuft der Hund 20 km am Fahrrad auf geeigneten Wegen in angemessenem Tempo. Die Prüfung wird von zwei Pausen mit Tierarztkontrollen unterbrochen und mit einer kleinen Gehorsamkeitsübung abgeschlossen.
 

Es gibt drei verschiedene Zuchtklassen im RZV:

Standardzucht:

Für die Standardzucht sind keine Arbeitsprüfungen der Eltern erforderlich.

Leistungszucht: 

Beide Elternteile mindestens IPO 1 oder IGP1 (in C mind. 80 Punkte)

oder

Ein Elternteil mindestens IPO 1 oder IGP 1 (in C mind. 80 Punkte) und mindestens drei von vier Großeltern (der Welpen) mit mindestens IPO 1 oder IGP 1

Gebrauchszucht:

Beide Elternteile mindestens eine der folgenden Voraussetzungen:

Fährtenhundprüfung 2 (IFH 2) oder
Obedience Klasse 2 (OB 2) oder
THS Vierkampf 3 oder
Rettungshundeprüfung (Fläche, Trümmer, Lawine oder Wasser) oder
IPO 1 oder IGP 1 (in C mind. 80 Punkte)

Sämtliche zuchtrelevanten Überprüfungen sind für alle Elterntiere aber gleich. Das bedeutet, dass alle Welpen die gleichen Grundvoraussetzungen mitbringen und es die Sache ihrer „Menschen“ ist, wie die Hunde gefördert und ausgebildet werden.

Zusätzlich betreut die Welpenvermittlung noch eine Junghundeseite und die Notvermittlungsseite „wer will mich“. Sollten Sie also an einem Hund Interesse haben, der zwar dem Welpenalter schon entwachsen, aber noch nicht einjährig ist, dann fragen Sie bitte nach den Junghunden. Möchten Sie einem erwachsenen Hund, der abgegeben werden muss, eine neue Chance geben, dann erkundigen Sie sich bitte nach der Notvermittlungsseite, die auch außerhalb unseres Vereins gezüchteten Hovawarten offen steht.

In diesem Sinn – viel Glück mit Ihrem Hovawart – wünscht Ihr

RASSEZUCHTVEREIN FÜR HOVAWART-HUNDE E.V.

Welcher Hund passt zu mir – Welpe, Junghund oder erwachsener Hund?

Allein die Idee, einen Hund bei sich und somit ins tägliche Leben aufzunehmen, ist eine schöne, gute und bereichernde Idee.

Natürlich haben wir alle unsere Verpflichtungen, die wir schon lange vorher eingegangen sind und das neue Familienmitglied muss in diesen Rahmen passen.

Immer wieder erhebt sich die Frage, kann ich mir oder können wir uns die Aufzucht eines Welpen zeitlich leisten? Der sich anschließende Wunsch ist oft, ein Junghund oder ein junger erwachsener Hund wäre besser für uns.

Hier möchte ich einhaken.

Jeder Hund, der „verpflanzt“ wird, egal in welchem Alter, trifft auf eine neue Umgebung, neue Räumlichkeiten, Menschen, die sich anders bewegen, anders riechen, eine andere Diktion und sicher auch einen anderen Tagesablauf und eine andere Körpersprache haben. Hier muss der Hund eingeführt werden.

Alle Hunde haben bereits gelernt…..

Der Welpe hauptsächlich von seiner Mutter und seinem Züchter. Bislang lebte er auch im Rudel und nie als Einzelhund. Er weiss aber sehr wohl, dass es Strukturen gibt, die einen geregelten und angenehmen Lebensablauf möglich machen. Er weiss um geregelte Freßzeiten, er weiss, dass er die Räumlichkeiten, in denen er sich aufhält, nicht als Löseplatz benutzt, vorausgesetzt, „Mensch“ gibt ihm die Möglichkeit dazu.

Er hat gelernt zu spielen und betrachtet fast alles als dazu geeignet. Zudem ist er in einer Phase größter Lernfähigkeit.

Der Junghund lebt oft noch bei seinem Züchter, meist in Begleitung zumindest seiner Mutter, vielleicht auch anderer Hunde. Sein Rudel hat sich schon geändert.

Natürlich gibt es auch Junghunde, die vom Züchter bereits abgegeben wurden und aus irgendeinem Grund ihr gerade gefundenes neues Zuhause wieder verlassen müssen.

In beiden Fällen haben die jungen Hunde bereits mehr Erfahrungen sammeln können, die ihre Lernfähigkeit in jedem Sinne anregen konnten.

Mit diesen erweiterten Erfahrungen muss sich der neue Besitzer auseinandersetzen und dem noch ganz jungen Hund Vertrauen in seine neue Umgebung und seine neuen Partner geben. Das erfordert Geduld und Einfühlungsvermögen

Der bereits erwachsene Hund hatte in seinem bisherigen Leben noch sehr viel mehr Erfahrungen sammeln können, die bei einer Notvermittlung nicht immer nur positiv waren. Vor allem er erfordert viel Einfühlungsvermögen, Zeit und Verständnis für seine nicht immer verständlichen Reaktionen, die aber seinen Lernergebnissen entsprechen.

An dieser Stelle möchte ich Sie gerne auf den Aufsatz von Frau Schäfer-Gollnow, “Kiras Geschichte – ein Hund aus zweiter Hand”, verweisen.

Wir freuen uns über alle Hunde, die -in welchem Alter auch immer- ein schönes und adäquates Zuhause finden und gut mit ihren Besitzern leben können. Deshalb haben auch die Seiten der Junghundevermittlung und der Notvermittlung einen großen Stellenwert.

Es ist aber ein Irrtum zu glauben, dass Hunde, die in einem höheren Alter übernommen werden, den neuen Besitzer vor weniger große Herausforderungen stellen. Die Herausforderungen mögen anders sein, aber sie fordern den gleichen Einsatz.

Was ist wichtig beim Besuch des Züchters – Kriterien bei der Welpensuche.

Selbst wenn Sie auf der Suche nach einem Welpen unsere Seiten nur unverbindlich besuchen, führen Sie sich bitte vor Augen, dass es einige Kriterien in der Zucht gibt, die seriöse und geschulte Züchter zwar erfüllen, die aber leider nicht zum Standard gehören.

Sind diese Kriterien nicht erfüllt, wird der Hund ein Leben lang wesensmäßige Defizite zeigen, die ein Leben in der Gemeinschaft mit Menschen sehr schwer bis unmöglich machen.

  • Jeder Welpe muss unabdingbar mindestens acht Wochen beim Züchter bleiben.
  • Die Mutterhündin muss ständig freien Zugang zu den Welpen haben.
  • Die Wurfgeschwister dürfen nicht grundlos getrennt werden.
  • Der Wurf darf nicht isoliert aufgezogen werden.
  • Die Welpen müssen adäquaten Umweltreizen ausgesetzt werden.
  • Bei einem Besuch müssen Sie die Mutterhündin zusammen mit den Welpen antreffen.

Natürlich gibt es insgesamt noch viel mehr Kriterien zu beachten, dieses sind aber diejenigen, die Sie als Interessent am ehesten beurteilen können, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Natürlich dürfen Sie davon ausgehen, dass im Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde e.V. noch viel mehr als die genannten Kriterien zum Wohl der Hunde erfüllt werden.

Ein besonderes Verhältnis – Züchter und Interesserent. Der Kontakt endet nicht mit dem Welpenkauf.

Der Kauf und die Übernahme eines Tieres ist verständlicherweise nicht mit dem Kauf eines unbelebten Gegenstandes zu vergleichen, mag dieser auch um ein Vielfaches teurer sein.

So werden Sie als Interessent sich am Telefon oder schriftlich an einen Züchter Ihrer Wahl wenden und mit ihm ins Gespräch kommen. Anders als bei anderen Käufen werden nicht nur Sie Fragen an den Verkäufer haben, auch der Züchter wird Fragen an Sie stellen.

Sie möchten einen Welpen Ihrer Wahl, der zu Ihnen passt und der Ihren Vorstellungen entsprechen soll.

Der Züchter seinerseits will nur das Beste für die kleinen Hunde, die er mit viel Aufwand und Liebe aufzieht und von denen jeder einzelne ihm ans Herz wächst. Natürlich hat die Fürsorge für die Mutterhündin auch einen hohen Stellenwert bei der Arbeit des Züchters. Die Züchter unseres Vereins sind alle Hobbyzüchter, zwar gut organisiert und von Zuchtwarten begleitet, aber keine Profis, bei denen der Hund zur Ware wird.

Den instinktmäßigen Handlungen der Mutterhündin wird große Bedeutung beigemessen, denn nur so kann sie ihre Welpen zu lebenstauglichen Hunden erziehen. Deshalb wird der Züchter Ihnen einige Vorgaben machen, die Ihnen vielleicht unverständlich vorkommen mögen, aber dem Wohle Ihres zukünftigen Welpen dienen.

Die ersten drei Wochen nach der Geburt sind die Zeit, in denen die Hündin ihre Welpen alleine mit Nahrung versorgt und in der die Welpen noch sehr hilflos sind. Hundewelpen sind „Nesthocker“, zwei Wochen lang noch blind und taub und noch nicht adäquat bewegungsfähig. Sie sind also voll auf die Mutter angewiesen und wenn die Mutter in ihrer Arbeit gestört wird, seie es auch durch noch so freundliche und gutmeinende Menschen, dann geht es zu Lasten der Welpen. Gemeint sind hier natürlich Besucher, nicht der Züchter, von dem sich die Hündin nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Anschließend lockert sich das Verhältnis von Mutter und Welpen und jetzt sind Besucher gerne willkommen. Sie tragen nun sehr positiv zur Sozialisierung der Welpen bei. Beachtet werden sollte allerdings das große Schlafbedürfnis der Welpen und die Ruhepausen müssen wiederum zum Schutz der kleinen Hunde eingehalten werden. Nach einem schönen Erlebnis mit netten Leuten werden die Welpen alles erst einmal im Schlaf verarbeiten.

Die wesensmäßige Entwicklung der Welpen wird auch erst nach und nach sichtbar. Hier bekommen Sie als Besucher nur eine Momentaufnahme während der Züchter natürlich andere zeitliche Möglichkeiten hat.

So bleibt der gut aufgebaute, vertrauensvolle Kontakt zum Züchter das wichtigste Kriterium, um in Zusammenarbeit mit Ihnen und unter Berücksichtigung Ihrer Wünsche den richtigen Welpen zu finden.

Wenn beide Teile daran mitarbeiten, wird der Kontakt ein Hundeleben lang nicht abbrechen.

Wie soll mein Hovawart einmal werden – das entscheidende erste Jahr.

Im Vergleich zum Leben eines Menschen ist ein Hundeleben doch relativ kurz und so ist es verständlich, dass auch die Entwicklungsschritte zum erwachsen werden in einer sehr viel kürzeren Zeit ablaufen.

Schon körperlich machen Welpe und anschließend der Junghund von der Geburt bis zum ersten Geburtstag einen Riesenschritt. Wiegt er bei der Geburt noch ca. 500 g, ist blind, taub und nicht fähig sich auf den Beinen zu halten, so bringt er am ersten Geburtstag 28 – 30 kg auf die Waage, kann riesige Sprünge machen und riecht, hört und sieht so ziemlich alles, auch das, was er nicht soll.

Das schnelle Wachstum ist für seinen gesamten Stützapparat eine große Belastung, mit der man vorsichtig und ausgewogen umgehen sollte. Forderung und Förderung sind wichtig, Überforderung ist allerdings Gift. Natürlich soll der junge Hund sich bewegen, seine Muskulatur aufbauen, aber er sollte noch nicht einem langen gleichförmigen Ausdauertraining unterzogen werden (Joggen, Fahrrad, Ausritt). Es bedarf einigen Einfühlungsvermögens um zu erkennen, wann der Junghund müde wird, aber nicht zur Ruhe kommt, weil ihn zu viele Reize umgeben. Hier ist ein Eingreifen des Besitzers gefragt.

Richtige Spaziergänge sind erst ab dem 5. Monat angesagt und auch hier muss aufgebaut werden.

Viele Welpen zeigen, dass sie äußerst ungern aus dem Gartentor oder der Haustüre raus in die „große weite Welt“ gehen. Das ist nur natürlich und Instinkt verankert, denn in freier Wildbahn darf ein Welpe sich auch nicht weit von der Höhle weg bewegen. Er würde sonst zur Gefahr für das ganze Rudel. Erst ab ca. einem halben Jahr wird der Radius erweitert.

Nutzen Sie diese Zeit, um dem Welpen sein Revier begreiflich zu machen. Für die zur Sozialisierung wichtigen Ausflüge und Spiele mit Artgenossen nutzen Sie zur Anfahrt Ihr Auto als zweites Wohnzimmer für den Welpen.

Eine Überforderung des Stützapparates ist auch dann gegeben, wenn der Hund vor allem im ersten Jahr zu gut und zu reichhaltig gefüttert wird. Übergewicht ist ganz schlecht, aber natürlich hat ein gesunder Junghund laufend Hunger und kann das auch so freundlich zeigen. Achtung auch bei Fertigfutter! Die Mengenangaben sind oft zu gut gemeint und die Anreicherung mit Energieträgern teilweise sehr hoch.

Lassen Sie sich von Ihrem Züchter beraten!

Die Wesensentwicklung macht im ersten Jahr ebenfalls riesige Sprünge.

Der Welpe wird als Nesthocker geboren und ist in den ersten zwei Wochen völlig auf die Fürsorge der Mutter angewiesen. Was aber schon sehr gut funktioniert, ist sein Geruchssinn und sein Wärmeempfinden. So findet er sofort und zielsicher die Zitzen und die Wärme des mütterlichen Bauches. Er ist in der vegetativen Phase, ich nenne sie gerne auch „egozentrische“ Phase, da er ausser sich und seinen Bedürfnissen noch nichts wahrnimmt.

Das ändert sich schlagartig nach 12 – 13 Tagen. Mit dem Öffnen von Augen und Ohren beginnt für den Welpen eine neue Phase – die Prägephase. Die erste Ablösung von der mütterlichen Hilfe beginnt, in dem der Welpe sich selbst lösen kann. Er entdeckt, dass er Geschwister hat, mit denen er Kontakt aufnehmen kann und dass es auch unbelebte Gegenstände in seiner Umgebung gibt, mit denen er sich beschäftigen kann.

Die Aufgaben der Mutter ändern sich, sie muss nicht mehr ständig in der Wurfkiste anwesend sein und ist nach und nach auch nicht mehr ausschließlich für die Ernährung zuständig, aber ihre erzieherischen Tätigkeiten sind für das weitere Leben des Welpen von größter Bedeutung. Die Wurfkiste ist jetzt offen und der Lebensraum der Welpen erweitert sich. Manchmal kann es ab jetzt ein riesiges Donnerwetter von mütterlicher Seite geben,  eines ist aber klar, sie hat immer recht und niemand darf in ihre Befugnisse eingreifen.

Auch für den Züchter ändert sich sein Aufgabengebiet. Am Anfang stand die Fürsorge für die Mutter und die Beobachtung der normalen Entwicklung der Welpen im Vordergrund, nun macht er sich Gedanken, wann und wie die Welpen zugefüttert werden und vor allem, wie sie entsprechend ihres Alters und Vermögens richtig gefördert und auf ihr zukünftiges Leben vorbereitet werden.

Die gemeinsamen acht Wochen von Mutterhündin, Welpen und Züchter sind eine sehr schöne, interessante und informative Zeit, aber auch eine anstrengende Zeit.

Mit wachsendem Alter der Welpen kommt ihre Individualität zum Vorschein. Es gibt die „Macho-Typen“, die von der Mutter auch öfter mal eine auf’s Dach bekommen, es gibt die Eigenständigen, die nicht immer dem Rudel folgen und es gibt auch die ganz braven Welpen, die ohne großes Aufsehen alles mitmachen.

Die wichtigste Aufgabe für den Züchter ist, den Interessen der Welpeninteressenten gerecht zu werden und in gemeinsamer Arbeit den richtigen Welpen an den richtigen Platz zu vermitteln. Nicht immer ganz einfach bei drei Farben und zwei Geschlechtern.

Nun beginnt für den neuen Besitzer und für den kleinen Hund, der sein bleibendes Zuhause gefunden hat, die entscheidende Zeit.

Die Sozialisierungsphase dauert 16 Wochen. Mitten in dieser Zeit erfolgt die Ablösung von der Mutter, vom Rudel und der Übergang in das neue Zuhause.

Bitte bereiten Sie sich als neuer Hundebesitzer schon vor der Übernahme auf diese Zeit vor und planen Sie viel Zeit ein, die Sie mit dem Welpen verbringen können und ihn auch einfach nur begleiten und beobachten können. Erfreulicherweise ist das Schlafbedürfnis des Welpen noch vergleichbar mit dem eines Babies, aber wenn er dann wach ist, braucht er Ihre Aufmerksamkeit.

Für die Theorie gibt es eine Fülle guter, begleitender Bücher, für die Praxis empfehle ich Ihnen den Besuch einer unserer Welpenschulen. Nutzen Sie dort auch die Möglichkeit, den Ausbildern „Löcher in den Bauch“ zu fragen und sprechen Sie alles an, was Ihnen mit Ihrem kleinen Hund unklar ist. Oft kann eine Fehlprägung in den Ansätzen aufgefangen werden und Sie und Ihr Hund werden ein Hundeleben lang davon profitieren.

Mit wachsendem Alter werden die Möglichkeiten der Förderung größer. Kleine Stresssituationen, die der Welpe durchaus auch schon in der Zeit mit seiner Mutter kennen gelernt hat, sollen selbständig bearbeitet und verarbeitet werden. Eine Überbehütung des kleinen Hundes ist ebenso schädlich wie eine Überforderung. Er soll seine Umwelt zusammen mit Ihnen erobern und bei jedem Schritt das Gefühl haben, dass er es selbst geschafft hat und Sie ihn im Hintergrund nur unterstützt haben.

Die Erfahrungen der Sozialisierungsphase bleiben dem Hund wirklich prägend erhalten – sein Leben lang. Die Prägephase dauert nur sehr begrenzte Zeit, danach folgen andere Phasen bis zum erwachsen werden. Der Junghund ist in jeder dieser Phasen lernfähig und jede Phase darf entsprechend genutzt werden. Die Lernfähigkeit bleibt auch beim erwachsenen Hund erhalten, wenn der Anreiz dazu in der Jugend gelegt wurde.

Das alles entscheidende Moment für die Lernfähigkeit ist die Spielfreude des Hundes. Die Grundlagen hierzu werden ebenfalls im Welpenalter gelegt. Es gibt die verschiedensten Arten des Spiels. Die Spielbeziehung zwischen Ihnen und dem Hund ist eine der Grundlagen des gegenseitigen Vertrauens und sollte am Anfang eine große körperliche Nähe beinhalten.  Das „innerartliche“ Spiel mit anderen Hunden dient der Sozialisation ebenso wie der Triebbefriedigung.

Wir wollen gut sozialisierte Hausgenossen, daher dürfen die Hunde  einige Triebe nicht ausleben. Kein Hund soll jagen, weder den Hasen noch den Jogger, auch ihr Futter sollen sie sich nicht selbst beschaffen. Also sind Ersatzbefriedigungen angesagt.

Die Nasenarbeit kommt den Bedürfnissen jedes Hundes entgegen und sie kann sehr vielfältig angelegt sein. Das gleiche gilt für das Spiel mit einer Ersatzbeute. Die Bewegungsfreude kann auch in die unterschiedlichsten Bahnen gelenkt werden und mit der Zeit richtige Sportler aus den Hunden machen.

Nach der noch relativ unbekümmerten Welpenzeit während der Sozialisierungsphase kommt für den Junghund eine Unsicherheitsphase, in der die Mensch-Hund- Bindung sich beweisen sollte und die „schwierigen“ Situationen des jungen Hundelebens gemeinsam, aber doch durch eigene Stärke überwunden werden müssen. Es verlangt vom neuen Hundebesitzer oft Geduld, zum Teil auch Selbstbewußtsein gegenüber den Mitmenschen, die nicht verstehen können, warum dieses wedelnde Baustellen-Absperrband zum schier unüberwindlichen Hindernis vor der Fortführung des gemeinsamen Spazierganges steht.

Es lohnt sich absolut, hier Geduld und Nerven zu behalten, denn ist die Gefahr aus hundlicher Sicht einmal gebannt, kann sie verarbeitet werden.

Nach dieser Phase folgt die Pubertät mit allen ihren positiven und negativen Eigenschaften. Die Hormone erwachen und die Flegelzeit beginnt. Hündinnen reagieren sehr sensibel auf die erste Läufigkeit und auch Rüden scheinen oft erstaunt zu sein, wie interessant manche Gerüche doch plötzlich werden. Manch ein Hundebesitzer erkennt seinen Hund kaum wieder und befürchtet alles falsch gemacht zu haben. Aber auch diese Phase geht vorbei und der Hund beginnt, erwachsen zu werden.

Begleitend muss in allen Phasen, beginnend mit dem ersten Tag, Einordnung und Gehorsam geübt werden. Es beginnt mit der Festlegung der Rudelstruktur. Die Erwachsenen sind die eindeutigen Chefs und haben die Aufgabe, sich in jeder Situation überlegen und freundlich konsequent zu zeigen. Kinder haben keine Befehlsgewalt, dürfen sich aber gerne an allen Aktivitäten beteiligen.

Für die Erziehung zum Gehorsam gilt ebenfalls, altersgemäß vorgehen und vor allem, den Spaß am Lernen erhalten. Es kann für beide Teile nur zum Vorteil sein, wenn Sie sich regelmäßig beobachten und auch korrigieren lassen.

Zusammengefasst sind die wichtigsten Ratschläge:

  • Strukturierung des gemeinsamen Lebens,
  • Aufbau von Vertrauen und Bindung,
  • Förderung aber keine Überforderung und
  • Schutz des schnell wachsenden Organismus.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, dass Sie zu einem tollen Team heranwachsen.

Ist mein Hund dominant? Dominanz – das oft missbrauchte Wort.

Jeder von uns kann mit seinem Hund mal in Verständigungsschwierigkeiten geraten die, wenn sie nicht gleich bearbeitet werden bis zur gewünschten Abgabe des Hundes führen können. Der RZV für Hovawart-Hunde e.V. verfügt über ein ganzes Netzwerk an Beratungsmöglichkeiten, das bitte im Falle eines Falles auch genutzt werden sollte. Der Züchter des Hundes wird immer ein aufmerksamer Berater sein, die ehrenamtlichen Ausbilder auf den Hundeplätzen des Vereins – von der Welpenspielstunde über Junghundeförderung bis zur Ausbildung der erwachsenen Hunde – werden sich den Hund anschauen und ihre Meinung und Ratschläge weitergeben und auch die Welpenvermittlung hat immer ein offenes Ohr für Probleme.

Die Gemeinsamkeit der Telefonate ist, dass spätestens im zweiten Satz kommt: Er (sie) ist ja sooo dominant !!!, völlig unabhängig davon, wo „der Hund begraben liegt“ bzw. die Schwierigkeiten liegen.

  • Der 12 Wochen alte Welpe beißt in die Hand, wenn ihm das Spielzeug weggenommen wird oder er am Halsband aus einem Zimmer geholt wird.
  • Mein Hund schnappt nach anderen Hunden, weil er sie nicht mag und es ihnen zeigt (wobei die Rute unter dem Bauch ist).
  • Er klaut meinem Sohn die Pizza und lässt sie sich nicht mehr nehmen.
  • Er legt sich unters Sofa und kommt nicht mehr raus.
  • Wenn ich ihn rufe, dreht er sich um, kommt aber nicht und wenn ich ihn endlich am Halsband habe, wehrt er sich und beißt nach mir.

Ich könnte Seiten füllen, um diese Liste zu erweitern, aber das würde wohl den Rahmen sprengen.

Die allermeisten Schwierigkeiten liegen nun wirklich nicht an der Dominanz eines Hundes – schon mal gar nicht eines Welpen – sondern an instinktmäßigem Verhalten, das der Mensch nicht versteht und an Unsicherheit bis Angst.

Bei den allermeisten Schwierigkeiten hat der Hund natürlich sein Herrchen oder Frauchen momentan „voll im Griff“ und dominiert, aber das sind Führerfehler. Dem Hund wurden keine Grenzen und keine Tabus gesetzt und seine Reaktionen falsch interpretiert.

Ein wirklich dominanter Hund ist dem Menschen gegenüber nicht „führungsresistent“. Er hat es auch nicht nötig, seine Dominanz laufend zu beweisen.

Er hat sie einfach, ist sicher und überlegen, vor allem seinen Artgenossen gegenüber und hier genügen Blickkontakte und die Körpersprache um die Lage zu klären.

Ich möchte von mir selbst behaupten, einmal eine dominante Hündin besessen zu haben. Sie machte aber in ihrem 13jährigen Leben nie durch Beißereien oder andere Unarten auf sich aufmerksam. Beachtet und respektiert wurde sie trotzdem.

Der Begriff Dominanz, der auf maximal 10 % der Hunde passt, sollte einer von vielen kynologischen Begriffen bleiben und nicht zur primären Erklärung für jedes „Fehlverhalten“ herangezogen werden. Für jeden Hund und sein Problem muß individuell nach der adäquaten Lösungsmöglichkeit gesucht werden.

Herrchen – Frauchen und Hund werden damit besser fahren.

Die Ansprechpartner gibt es, so dass es sicherlich möglich ist, Beratung zu finden, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Eigeninitiative und meistens auch ein paar Kilometer mit dem Auto sind schon nötig, aber sie lohnen sich. Eine „Telefondiagnose“ kann ein erster Hinweis sein, aber sicher keine Problemlösung

Der Hovawart in der Familie – Rudeltier-Hund.

Seit der Mensch Wildtiere domestiziert hat, hat er sie auch für seine Bedürfnisse genutzt und gezüchtet. War es früher eine reine Zweckgemeinschaft, so hat sie sich spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts bei Hund, Katze und Pferd in eine Hobbygemeinschaft verändert.

Es sollte aber noch seine Zeit dauern bis dieses Zusammenleben auch wissenschaftlich erfasst und erforscht wurde. Die Verhaltensforschung entstand (Konrad Lorenz war ein Wegbereiter) und der Mensch begann, seinen Partner Haustier verstehen zu wollen.

Der Schlüssel zu diesem Verständnis ist, die Triebe und Instinkte der wildlebenden Verwandten zu begreifen, um sie dann sinnvoll abgewandelt auf unsere Haustiere zu übersetzen.

Sicher gab es schon immer Menschen, die instinktiv richtig auf ihre Tiere eingegangen sind, aber es gibt durchaus für jeden die Möglichkeit dies zu erlernen. Die Hunde- und Pferdeflüsterer sind so entstanden.

Zwischenzeitlich leben Pferde nicht mehr in Ständern sondern in Boxen oder Freilaufhaltungen. Sie gehen vermehrt auf  Koppeln und sie werden nicht mehr „eingebrochen“, sondern sanft für ihre Aufgaben geschult.

Leider kämpft die Nutztierhaltung in diesem Bereich immer noch mit den Anfängen.

Für die Hundehaltung sind alle diese Erkenntnisse besonders wichtig. Schließlich ist vor allem der große Hund immer noch ein wehrhaftes Wesen, das aber ständig mit uns leben soll und will und deshalb unseren Anforderungen gerecht werden muss.

Seine Vorfahren Wolf leben in gut strukturierten Gemeinschaften, die von Führungspersönlichkeiten (nicht nur von einer) angeleitet werden. Sie erziehen ihre Nachkommenschaft entsprechend den Aufgaben, die ihnen zugedacht werden.

Wir Menschen brauchen für das Zusammenleben, das Verständnis und zur Förderung der Lernbereitschaft ein Grundwissen um die adäquate Verständigung mit unseren Hunden, damit wir sie  in unser Leben integrieren und sie auf  ihre Aufgaben vorbereiten können.

Das erste Jahr im Leben eines Hundes ist ein besonderes Jahr und mit großer Lernfähigkeit ausgestattet. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auf die Wichtigkeit der Welpenspieltage hinweisen, in denen gerade der neugebackene Hundebesitzer unendlich viel – so ganz nebenbei – lernen kann.

Es gibt eine ganze Reihe von Punkten, die für den jungen Hund und seinen neuen Besitzer von entscheidender Wichtigkeit sind. Dazu gehört zuerst die Einordnung in das neue Rudel, die Erziehung zur Sauberkeit, das Freßverhalten, Tabus zu achten, das richtige Spielen zu erlernen und die ersten Schritte des Gehorsams.

Das Rudeltier Hund erlernt fast alles gerne und mit Ausdauer, wenn es weiss, das es damit seinem „Chef“ eine Freude macht und entsprechend belohnt wird. Die Belohnung kann vielfältig sein, aber vor allem beinhaltet sie die physische und psychische Zugehörigkeit zum Rudel.

Das Aussondern aus dem Rudel ist die härteste Bestrafung, die ein „Chef“ aussprechen kann.

Deshalb ist es ja wohl begreiflich, was es bedeutet, den Hund in den Garten oder in einen Zwinger zu sperren oder ganz vornehm, ihm ein eigenes Zimmer oder gar Appartement zur Verfügung zu stellen. Er ist viel glücklicher mit zwei m² Platz auf seiner Hundedecke oder im Auto, aber er ist dabei.

Natürlich müssen wir unsere Hunde auch mal alleine lassen (und zwar ohne dass sie die Wohnung zerstören), aber das geschieht im vertrauten Bereich, in dem sie auch mit ihren Menschen zusammen leben und in dem sie sich sicher fühlen.

Der jetzt kommende Widerspruch ist schon vorprogrammiert. Hunde wurden immer in Zwingern gehalten, sie sind frisch und ausgeruht, wenn man sie heraus holt und sie arbeiten dann besser. Sie haben dort ihren ungestörten Platz und können sich erholen.

Das Gegenargument ist, die Hunde resignieren, was sollen sie auch anderes tun – ausser der Zwinger wäre nicht ausbruchssicher. Wenn ihr „Chef“ sie dann herausholt, wollen sie ihm natürlich um alles in der Welt gefallen und „arbeiten gut“, weil sie sich erhoffen, dass  die Bestrafung somit aufgehoben wird und dass sie wieder ins Rudel integriert werden.

Jeder Hund kann auch innerhalb des Familienverbandes einen ungestörten Platz erhalten, die Familie muss es nur ermöglichen.

Nicht alles, was immer so gemacht wurde, wurde auch immer richtig gemacht und entspricht den natürlichen Bedürfnissen.

Zu den Hauptbedürfnissen des Hundes gehört es, seinem „Chef“ zu gefallen und bei ihm sein zu dürfen.

Hunde haben die Fähigkeit menschliche Emotionen zu erfühlen und auf ihre Art zu beantworten und dazu brauchen sie keine Verhaltensforschung. Wir Menschen können natürlich bei einem uns vertrauten Tier auch vieles erfühlen, aber dank unseres Intellekts haben wir auch die Möglichkeit in Theorie und Praxis von anderen Menschen zu lernen, die sich viel mit diesem Thema beschäftigen.

Wer die angeborenen Verhaltensmuster kennt, sie richtig umsetzt und sie für das gemeinschaftliche Leben tauglich macht, hat in der Tierhaltung gewonnen.

Ist eine Kastration sinnvoll – mehr zu diesem Thema.

Sowohl als Hundebesitzer als auch in der Welpen- und Notvermittlung wird man immer häufiger mit dem Thema Kastration konfrontiert.

Die Argumente beginnen mit:

  • ich will nur einen Familienhund
  • ich werde niemals züchten
  • das Theater mit der Läufigkeit tue ich mir nicht an
  • ich hoffe, dass mein Rüde weniger aggressiv wird und andere Rüden ihm nichts tun

und enden mit:

  • die Gefahr des Gesäugetumors wird vermieden
  • eine Prostataerkrankung kann er nicht mehr bekommen

Selbstverständlich gibt es medizinische Gründe, Rüde oder Hündin kastrieren zu müssen. Dazu gehören beim Rüden Kryptorchismus (Einhoder) und Prostataerkrankungen, bei der Hündin ist es vor allem die konservativ nicht beherrschbare Pyometra (eitrige Gebärmutterentzündung) und hormonelle Entgleisungen im höheren Alter.

Wer aber gibt uns das Recht, in den Hormonhaushalt eines gesunden, jungen Hundes einzugreifen?

Um hier einmal die Statistiken zu bemühen:

Weniger als 10 % der Hunde verlieren ihre Aggressionen. Vor allem die Angst-Aggression wird gesteigert. Ein unverhältnismäßig aggressiver Hund ist das Produkt seiner Erziehung und nicht seiner Sexualhormone. Das Verhältnis der Hunde untereinander wird in den allermeisten Fällen verschlechtert und nicht verbessert.

Eine Kastration nach der ersten Läufigkeit der Hündin hat kaum mehr Einfluß auf die Entwicklung eines Gesäugetumors. Es ist vor allem zu bedenken, dass insgesamt nur ein verschwindend geringer Prozentsatz aller Hündinnen im Laufe ihres Lebens einen bösartigen Gesäugetumor entwickelt und das unabhängig von der Zuchtverwendung. Eine Scheinträchtigkeit ist ebenfalls kein Grund für eine Kastration. Sie ist durch die hormonellen Vorgänge nach der Läufigkeit immer gegeben und sollte besser durch Auslastung und Ablenkung der Hündin therapiert werden.

Ganz im Gegenteil haben die armen, vor allem jungen Kastraten es schwer, sich in eine Hundegemeinschaft einzufügen. Sie werden nicht anerkannt – sind nicht Fisch nicht Fleisch. Sie werden von den „vollständigen“ Hunden regelrecht gemobbt, da sie ja eigentlich keine vollwertigen Mitglieder eines Rudels sein können. Vor allem unsere spät entwickelten Hovawarte brauchen ihre Zeit um hormonell erwachsen zu werden. Ein früh kastrierter Hund behält sein „Kindchenschema“ und ist auch in seiner Lernfähigkeit eingeschränkt. Ein Vergleich mit streunenden Straßenhunden, die von Tierschutzvereinen kastriert werden um das Elend nicht noch weiter auszubreiten, ist hier sicher nicht angebracht.

Hinzu kommen die lange nicht bedachten körperlichen Folgen. Die hormonelle Entwicklung in der Pubertät ist unabdingbar notwendig für das Ausreifen von Knochen, Gelenken, Muskulatur und Bändern. Durch eine Kastration altert jeder Hund schlagartig körperlich, was die entsprechenden Auswirkungen auf seinen Stützapparat zur Folge hat. Außerdem wird zwischenzeitlich beschrieben, dass Kastraten eine höhere Anfälligkeit für Knochentumoren und Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) zeigen. Das Argument, dass vor allem die Rüden unter ihrem ständigen Wunsch nach sexueller Befriedigung leiden, zählt nicht. Auch bei freilebenden Caniden kommt höchstens ein Viertel des Rudels zum Einsatz. Die Anderen helfen bei Aufzucht und Erziehung mit und leben trotzdem glücklich in ihrer Gemeinschaft. Für Hündinnen gilt das Gleiche. Kein Hund muss sich fortpflanzen, um ein erfülltes Hundeleben zu haben.

Nicht zu vergessen ist, dass 20 – 30 % aller kastrierten Hunde – vor allem Hündinnen – nach der Kastration inkontinent werden und es auch Zeit ihres Lebens bleiben.

Also seien wir doch bitte ehrlich zu uns selbst. Gesunde Hunde werden kastriert, weil die Läufigkeit lästig ist, der Rüde mal heulen könnte, wenn eine läufige Hündin in der Nachbarschaft ist, weil unser Erziehungsprogramm nicht funktioniert hat und wir keinen Ausweg mehr wissen. Weitere Gründe können hinzugefügt werden. Hier gibt es keine medizinischen Notwendigkeiten und das Tierschutzgesetz beschreibt, dass einem gesunden Tier keine Organe entfernt (amputiert) werden dürfen.

Dem Hund wird viel von seiner Lebensqualität genommen. Das bekommt er täglich zu spüren und natürlich fehlen ihm auch die Freuden und Leiden, die zum Leben des erwachsenen Hundes gehören. Deshalb sollten wir Menschen uns überlegen, wo unsere Fehler liegen oder gelegen haben und sie nicht durch eine Operation des Hundes ausgleichen wollen. Die Erfolgschance ist sowieso gering. Es ist sehr viel sinnvoller, wenn wir das richtige Augenmerk auf die Prägung, Sozialisierung und die Früherziehung unseres Hundes legen.

Wenn ein wirklich erwachsener Hund im Alter von acht bis zehn Jahren aus medizinischen Gründen oder auch Vorsorgegründen kastriert werden muss, hat er seinen Platz in der Hundegesellschaft bereits gefunden und wird nicht mehr darunter leiden.

Jung und gesund sollte aber kein Hund von seinem Besitzer zum Kastraten gemacht werden.

Welches Geschlecht passt besser zu uns, Hündin oder Rüde?

Für jeden, insbesondere für die Interessenten, die zum ersten mal einen Hund oder auch zu ersten mal einen Hovawart erwerben wollen, erhebt sich die Frage, Rüde oder Hündin.

Es klingelt mir schon in den Ohren, wenn ich das Argument höre: ein Hovawartrüde ist dominant, per se, einfach so, nur weil er Hovawart und Rüde ist.

Es gibt mit Sicherheit dominante Hovawartrüden in 5 – 10 % aller Fälle, es gibt mit Sicherheit auch Rüdenwelpen, die diese Anlage haben in 5 – 10 % aller Fälle, aber bei diesen Hunden liegt es an der Führung durch ihre Besitzer wie sie sich entwickeln.

Es gibt auch dominante Hovawarthündinnen in der gleichen Prozentzahl und hier gilt, siehe oben.

Aber es gibt den entsprechend großen Prozentsatz an Hovawarten, Welpen oder erwachsen, die völlig normal zu erziehende Hunde sind. Alle brauchen das, was jeder Hund braucht (dominant oder nicht), die Einordnung in ihr Familienrudel, die liebevolle Konsequenz bei der Erziehung und Freude an gemeinsamen Erlebnissen mit dem „Rudelführer“.

Natürlich gibt es die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Aussehen der Hunde und es gibt das geschlechtsspezifische Benehmen. Hündinnen unterliegen ihrem Hormonzyklus, der deutlich spürbar ist, wenn man seine Hündin kennt. Rüden können von 0 auf 100 gehen, wenn die geliebte Nachbarshündin läufig wird. Meine Meinung zur Kastration habe ich zwischenzeitlich kundgetan und denken Sie bitte nicht, dass nach einer Kastration Unausgeglichenheit  oder Rüpelhaftigkeit verschwinden. Es kommt nur noch die Frustration dazu.

Glauben Sie bitte auch nicht, dass Hündinnen weniger streiten als Rüden. „Zickenterror“ ist sicher nicht einfacher zu händeln als Rüden im Machtkampf um die Vorrangstellung.

Bei beiden Geschlechtern ist die Jugenderziehung und Sozialisierung das A und O für die weitere Entwicklung. Es ist ein absolutes Muss die Erziehung weiterzuführen, zumindest bis der erwachsene Hund alle Grundkommandos sicher beherrscht und auch weiterhin seine Stellung in seinem Familiengefüge kennt und akzeptiert. Es ist ein Kann, den Hund zu einer, wie auch immer gearteten spezifischen Ausbildung zu führen und es ist wichtig, dass diese Ausbildung sowohl dem Hund als auch seinem Besitzer Freude macht.

Es gibt bei einigen Hundebesitzern den „Hündinnentyp“ und es gibt den „Rüdentyp“, also Menschen, die sich das Zusammenleben nur mit einem Geschlecht vorstellen können. Das ist natürlich zu akzeptieren, vor allem, wenn es sich in vielen Jahren so ergeben hat und wenn entsprechende Ambitionen vorhanden sind. Das dürfte aber die Ausnahme sein. Wer seinen ersten Hund erwirbt, sollte eigentlich flexibel sein und sich nicht von ach-so-gut gemeinten Ratschlägen beeinflussen lassen.

Der bessere Weg ist hier, sich die Praxis auf einem unserer Hundeplätze anzuschauen und auf die Beratung des Züchters und der Welpenvermittlung zu vertrauen.

Es gibt übrigens auch dieses über-Kreuz-Phänomen, was bedeutet, dass Rüden sich mehr zu Frauen und Hündinnen sich mehr zu Männern hingezogen fühlen. Das wirkt sich aber hauptsächlich bei den Streicheleinheiten aus und nur dann, wenn der Hund die nötige Auswahl hat. Erziehung, Ausbildung, Futtermeister, Spielkamerad und Betreuung bei Tierarztbesuchen kann trotzdem die Aufgabe einer anderen Person sein.

Bei der Auswahl des Hundes sollte deshalb die „richtige Passung“ im Vordergrund stehen.

Sie beginnt mit der Auswahl der Rasse und führt weiter zu Charakter, Temperament und Nervenstärke des einzelnen Welpen.

Das persönliche Gespräch zwischen Züchter und Welpeninteressent ist deshalb von großer Bedeutung. Der Züchter, der seine Welpen ja am besten kennt, kann beratend zur Seite stehen, wenn er die Lebensbedingungen und Ambitionen der Interessenten und des zukünftigen Umfeldes des Welpen kennen lernt. Der zukünftige Welpenbesitzer seinerseits geht auch mit bestimmten Vorstellungen zum Züchter. In dem Wurf, den er besichtigt, gibt es sicher Welpen, die ihn mehr ansprechen als andere. Manchmal soll es auch eine Liebe auf den ersten Blick geben und sie kommt oft nicht von ungefähr.

Als Leitfaden gilt trotzdem, der Machotyp (wenn es ihn wirklich gibt) gehört in die Hand von hundeerfahrenen Menschen, der absolute Quirl unter den Welpen in eine etwas ruhiger strukturierte Familie und der nervenstarke Welpe, der sich alles erst einmal anschaut, bevor er eingreift, hat auch die Nerven, die Kindergeburtstage und Einladungen, die in einer lebhaften Familie anfallen, mit Gelassenheit zu ertragen.

Den Welpenkäufer interessiert vor allem, den Hund zu bekommen, zu dem er sich hingezogen fühlt und den er händeln kann. Das kann in Gesprächen mit dem Züchter und dann mit Hilfe von Welpenschule und eventuell weiterführender Ausbildung erreicht werden. Zu einer Kraftprobe darf und soll der Umgang mit dem Hund nie werden, dann verlieren beide Teile schnell die Freude daran. Kräftemäßig ist der normale Mensch sowohl mit Rüde als auch mit Hündin überfordert, also bleibt nur das richtig erlernte Miteinander und das kann und soll jedem Hundebesitzer und seinem Hund über viele Jahre Freude machen.

Wie lernt mein Hund auch einmal alleine zu bleiben? Mehr zum Thema.

So gerne wir unsere Hunde um uns scharen, jeder Hund muss auch lernen, eine gewisse Zeit alleine zu bleiben.

Sie werden nicht in allen Geschäften toleriert, nicht bei allen Einladungen, wir können sie nicht mit in Behörden nehmen und auch nicht mit zum Arzt.

Kurzum, es führt kein Weg daran vorbei.

Der Welpe, den Sie zu sich nehmen, kennt dies aber noch nicht. Ganz im Gegenteil, er wurde gerade aus seinem Umfeld herausgerissen und muss sich an die neue Umgebung bei Ihnen gewöhnen. Deshalb tun Sie gut daran, ihm erst einmal für mindestens eine Woche die Sicherheit Ihrer permanenten Anwesenheit zu geben.

Instinktiv hat er eine Urangst vor dem verlassen werden, denn er weiss, dass er alleine nicht überleben könnte.

Wenn ihm sein neues Umfeld, also Ihr Zuhause, vertraut geworden ist, er dort seine Plätze kennt und weiss, dass er hier sicher ist, können Sie beginnen, ihm in kleinen Schritten beizubringen, dass Sie zwar immer für ihn sorgen, aber nicht immer präsent sein können.

Wählen Sie einen Moment, indem Sie als Hauptbezugsperson mit ihm alleine sind, er aber satt ist, genug gespielt hat, alle seine Verrichtungen erledigt hat und eigentlich schlafen möchte.

Gehen Sie ohne große Abschiedszeremonie, aber deutlich hörbar zur Haustür raus, machen Sie sie zu,  zählen Sie draußen auf 60 und kommen Sie wieder rein. Wenn der Welpe nicht gemeckert hat, sagen Sie eher beiläufig, dass das in Ordnung war. Wenn er geheult oder gejammert hat, übergehen Sie es und üben Sie bei der nächsten Gelegenheit wieder.

Er muss lernen, dass die Trennung von Ihnen zum normalen Alltag gehört und nicht besonders belohnt wird. Die Trennungszeit muss für den Welpen stressfrei werden und das können Sie mit täglichem Üben in kleinen Zeiteinheiten erreichen. Wenn der kleine Hund das Prinzip begriffen hat, können Sie die Zeit schnell steigern, 10 Min., dann Einkauf im Supermarkt, usw. Beim Welpen sollte wegen des Füllungsvermögens von Darm und Blase der Zeitraum von zwei Stunden nicht überschritten werden. Er hat sich schon an einen bestimmten Tag – Nacht – Rhythmus gewöhnt und selbst wenn es nachts schon über sechs bis sieben Stunden gut geht, heisst das noch nicht, dass es auch tagsüber so sein muss.

Sollte er rückfällig werden, d.h. Sie hören ihn plötzlich heulen, wenn Sie zurückkommen, dann gehen Sie bitte wieder auf die kürzeste Zeiteinheit zurück und steigern Sie erneut.

Ein Hund, der das Alleine sein nicht im frühen Alter lernt, wird später durch Heulen, ständiges Bellen, Unsauberkeit oder Zerstörungswut auffällig. Das ist aber nur seine Ausdruck von Panik, denn er fühlt sich alleine nicht sicher sondern verlassen und hat Angst, für die er ein Ventil sucht.

Mit dem System des schrittweise Übens haben schon viele Welpenbesitzer Erfolg gehabt und oft sind sie erstaunt, wie schnell es geht. Je mehr Vertrauen aufgebaut werden kann, umso klagloser akzeptiert der Hund auch, dass er mal nicht mitdarf, auch wenn er es gerne wollte. Allerdings sollten wir es als Besitzer nicht übertreiben und uns immer überlegen, wann wir den Hund mitnehmen können.

Stubenreinheit – ein schwieriges Thema? Es kann so einfach sein.

Jeder Hund, ob groß oder klein, jung oder alt, hat das instinktive Bedürfnis die Plätze, an denen er schläft, frisst, wohnt und spielt, sauber zu halten.

Der Welpe lernt dies ab dem Zeitpunkt des Zufütterns, ab dem seine Mutter die Hinterlassenschaften nicht mehr aufputzt. Er erweitert seinen Radius entsprechend seinen Fortbewegungsmöglichkeiten und eine Geschwisterschar im Alter von acht Wochen weiss schon ganz genau, wohin sie sich im Welpenauslauf zu begeben hat um sich zu versäubern.

Wenn dieser „stubenreine“ Welpe jetzt bei seiner neuen Familie einzieht, weiss er erst einmal gar nichts mehr, denn alles sieht anders aus und riecht anders (auch ein erwachsener Hund hat bei einem Wechsel große Schwierigkeiten).

Die Aufgabe der neuen Besitzer ist es jetzt, den Welpen genau zu beobachten und ihm zu zeigen, wo es lang geht.

Ein Welpe „muss“ prinzipiell, wenn er aufwacht, wenn er gefressen hat und während des Spielens. Er zeigt sein Bedürfnis auch an, aber nur sehr kurz und noch nicht so ausgeprägt wie ein erwachsener Hund und dann muss alles ganz schnell gehen. Helfen Sie dem kleinen Hund, indem Sie mit ihm immer zur gleichen Türe rausgehen und selten oder nie genutzte Räume verschlossen halten.

Sollten Sie doch einmal unaufmerksam gewesen sein und ein Unglück bahnt sich an, heben Sie den Welpen hoch und tragen Sie ihn an seinen gewohnten Platz. Bitte keinesfalls schimpfen, sondern warten, bis noch eine Kleinigkeit kommt und dann genauso loben wie auch sonst. Sollte er aber laufend kleine Mengen Urin absetzen, spricht das für eine Blasenentzündung und der Gang zum Tierarzt ist unbedingt und sofort angesagt. Das Gleiche gilt natürlich bei Durchfall.

Seinen Instinkt hat der Welpe behalten und lernfähig in höchstem Maße ist er auch. Geben Sie ihm die Möglichkeiten und Sie haben sofort oder spätestens nach ein paar Tagen einen stubenreinen Hund bei sich zuhause.

Fährt ein Hovawart gerne im Auto mit? Auch das will gelernt sein.

Wenn mit viel Vorfreude und noch mehr Erwartungen ein kleiner Hund abgeholt werden kann, kommt bei vielen neuen Hundebesitzern plötzlich die Sorge, wie wird der kleine Hund die Fahrt ins neue Heim überstehen.

Manchmal ist diese Fahrt nur kurz, manchmal geht sie aber auch über Stunden. Entscheidend ist der Beginn der Fahrt und natürlich auch regelmäßige Pausen wie sie auch für die Menschen empfehlenswert sind.

Die allermeisten Welpen sind bereits mit dem Züchter im Auto gefahren, sei es zum Tierarzt zum Impfen, sei es einfach zum Lernen.

Es gibt ein paar einfache Tipps, mit denen Sie dem Hund das Auto fahren leicht und auch schmackhaft machen können.

Die ersten Tipps betreffen Sie: Fahren Sie nicht, wie wenn Sie ein Rennen gewinnen wollten, sondern möglichst ausgeglichen. Bevorzugen Sie große Straßen ohne zu enge Kurven, auch wenn es einige Kilometer weiter sein sollte.

Der Welpe sollte möglichst von mindestens zwei Personen abgeholt werden, so dass sich einer auf den Verkehr und der andere auf den Hund konzentrieren kann. Diese Person sollte sich auch nach hinten setzen, damit sie immer mal wieder Kontakt aufnehmen kann.

Der Welpe selbst sollte einen abgegrenzten Raum haben, der seiner Größe angepasst ist und in dem er sich beim Bremsen oder in Kurven anlehnen kann. Deshalb brauchen sie aber nicht mehrere teure Hundeboxen in verschiedenen Größen zu kaufen. Für den Anfang reicht eine Pappkiste aus dem nächsten Supermarkt, in die ein Einstieg geschnitten wird und erst der ausgewachsene Hund bekommt dann seine Dauerlösung. Statten Sie seinen Liegeplatz mit gut riechenden Tüchern und vielleicht einem Lieblingsspielzeug aus. Wichtig ist, dass dieser Platz gut befestigt ist und nicht ins Rutschen kommen kann.

Bitte beachten Sie, dass die StVO vorschreibt, dass der Hund so transportiert werden muss, dass er nicht durch den Fahrgastraum geschleudert werden kann kann.

Ausser seiner ersten Fahrt ins neue Heim soll der kleine Hund Sie ja oft begleiten und sein Stammplatz im Auto zu einem zweiten Wohnzimmer werden. Deshalb machen Sie ihm alle Fahrten zu einem angenehmen Erlebnis. Die Fahrt könnte in der Welpenschule enden oder auch auf einer Wiese, auf der man gut spielen kann, bei einem Erlebnisausflug in die Stadt oder……

Wichtig ist auch, dass der kleine und auch später der große Hund nicht direkt vor der Fahrt gefüttert wird. Das kommt nach der Rückkehr als zusätzliche Belohnung. Ein Wassernapf und frisches Wasser sollte allerdings immer mitgeführt werden. Gegen ein paar Leckerli ist natürlich auch nichts einzuwenden.

In diesem Sinne gute Fahrt auf allen Wegen.

Hündinnen während der Läufigkeit – wie läuft die Läufigkeit ab.

Eigentlich ist es kein Hexenwerk, die Läufigkeiten einer Hündin unfallfrei zu überstehen. Wichtig ist vor allem, dass Sie Ihre Hündin kennen oder kennen lernen.

Die Hündinnen unterliegen ihrem hormonellen Zyklus und zeigen dies auch durch Wesensänderungen an, wobei diese Veränderungen unterschiedlich sein können. Die einen „powern“ vor der Läufigkeit auf, werden spätestens nach den deckbereiten Tagen ruhiger, die anderen machen es genau umgekehrt. Manche werden auch während der Deckbereitschaft sehr ruhig.

Äußerlich sehen Sie in den allermeisten Fällen, dass die Hündinnen anfangen ihr Fell zu verlieren, dann nach einigen Wochen mit dem Abhaaren aufhören. Jetzt können Sie sehen, dass die Vulva leicht anschwillt und ein paar Tage später finden Sie den ersten Blutstropfen, bzw. Sie machen die „Taschentuchprobe“.

Notieren Sie sich diesen ersten Tag der Läufigkeit im Kalender, damit Sie später den Rhythmus Ihrer Hündin nachvollziehen können.

Bereits vor dem sichtbaren Beginn wird die Hündin sich häufiger schlecken und während der Läufigkeit sowieso. Animieren Sie sie auch, die Tropfen auf dem Boden selbst zu entsorgen.

Die erste Woche der Läufigkeit ist von hellroten Blutstropfen geprägt. Wenn irgendwie möglich, vermeiden Sie eine Hose, rollen Sie lieber die Teppiche ein, damit es im Haus hygienisch bleibt. Die Hündinnen wollen sich selbst säubern, der Ausfluss ist nicht sehr heftig und die Hose bildet eine feuchte Kammer, in der alle Keime gedeihen können. Wenn unbedingt erforderlich, nehmen Sie eine alte Baumwollunterhose (Kindergröße), in die Sie ein Loch für die Rute schneiden und wechseln Sie sie häufig.

In dieser ersten Woche ist die Hündin meistens noch nicht deckbereit. Es kann aber sein, dass sie die ersten Tage der Läufigkeit nicht bemerkt haben!

Ab Beginn der zweiten Woche, kann die Deckbereitschaft beginnen. Es gibt einige Zeichen, die darauf hindeuten können. Der Ausfluss wird hell und weniger, wenn Sie die Hündin an der Rutenwurzel kraulen, nimmt sie die Rute zur Seite. Meist beginnen diese Zeichen aber erst am 12. – 13. Tag der Läufigkeit.

Trotzdem sollten Sie ab dem 8. Tag Vorsicht walten lassen. Wenn Sie sich des Gehorsams nicht 100%ig sicher sind, nehmen Sie die Hündin an die Flexileine. Vielleicht fahren Sie auch mit ihr vom Haus weg zu einem anderen Spaziergebiet. Das vermindert die Zahl der interessierten Herren vor dem Gartentörchen. Empfehlenswert ist auch, befreundeten Rüdenbesitzern in der Nachbarschaft Bescheid zu sagen. Auch diese haben Aufsichtspflicht über ihre Rüden.

Die eigentlichen „Duldungstage“ sind bei den meisten Hündinnen zwischen dem 13. – 16. Tag, aber!!!!! es gibt eine gewisse Individualität. Sie können auch schon am 9. Tag einsetzen oder bis zum 20. Tag gehen. Deshalb lernen Sie Ihre Hündin bitte kennen. Insgesamt sind es aber nicht mehr als drei bis vier Tage.

Vor allem die ganz jungen Hündinnen wissen ja selbst noch nicht, wie ihnen geschieht. Ab der zweiten oder dritten Läufigkeit kennen sie sich aber aus.

Zum Ausklang der Läufigkeit kann entweder der Ausfluss sofort ganz versiegen oder noch einmal richtig rot werden (ca. 2 Tage). Leider riechen die Damen jetzt immer noch sehr gut und müssen sich gegen die Rüden tüchtig zur Wehr setzen. Die älteren Hündinnen machen es meist so definitiv, dass die Rüden sich nicht mehr trauen, wenn aber eine junge Hündin das noch nicht so gut kann, dann helfen sie ihr, indem sie den Kontakt mit Rüden noch einige Tage vermeiden.

Sollte Ihnen während der kritischen Tage ein Rüde doch einmal zu nahe treten wollen, dann lassen Sie die Hündin sitzen und stellen sich über ihre Rückseite. Das war für mich schon mal ein probates Mittel und wenn ich entsprechend schimpfe, traut sich auch keiner mehr. Das waren aber immer Rüden, die ohne Begleitung unterwegs waren. Ansonsten warne ich schon aus der Ferne: „Vorsicht läufige Hündin!“ und dann sind die Rüdenbesitzer auch vorsichtig.

Thema Zweithund – eine Entscheidung die wohl überlegt sein will.

Viele Menschen, die mit einem Hund gut zurechtkommen, wünschen sich irgendwann den Zweithund zur Vervollständigung des Rudels.

Seie es, dass man einen hundlichen Freund für seinen Ersthund möchte, seie es, dass in einer Familienstruktur zwei Leute an der Beschäftigung mit Hunden Freude haben oder auch, dass der erste Hund alt wird und der Nachfolger schon überlappend gesucht wird.

Eine solche – wie auch immer geartete  –  Kombination kann wunderbar und bereichernd für alle Teile sein, wenn bestimmte Regeln beachtet werden.

Der Ersthund muss auf jeden Fall noch fit genug sein, um sich mit einem Welpen auseinander zu setzen, denn der Welpe ist fordernd und wird ihn zu Spiel und Aktivität animieren.

Falls der erste Hund ein Gebrechen hat, ihm die Knochen weh tun, er eigentlich nur seine Ruhe möchte, sollte man ihm keinen jungen Hund zur Seite stellen. Dann hat er es verdient, sein Leben in Ruhe zu Ende zu leben.

Ist er aber noch unternehmungslustig und spielfreudig, kann der Welpe ein richtiger Jungbrunnen für ihn sein.

Wenn der Zweithund das gleiche Geschlecht wie der Ersthund haben soll, ist es ratsam, auf einen Altersunterschied von 6-7 Jahren zu achten. Bis der Welpe dann erwachsen ist und seinen Rangordnungsplatz wissen will, ist der erste Hund schon so weit, Stückchen für Stückchen seine Vormachtstellung abzugeben. Dann geht dieser Prozess ohne große Scherereien und oft ziemlich unbemerkt vonstatten.

Soll der zweite Hund dem anderen Geschlecht entstammen, ist der Altersunterschied nicht so wesentlich, aber die Zeit der Läufigkeit muss natürlich überbrückt werden können. Die Hunde werden recht früh geschlechtsreif und ab dem Alter von etwa 8 Monaten kann ein Unfall durchaus passieren. In diesem Fall muss gewährleistet sein, dass es Möglichkeiten gibt, die Hunde während der kritischen Tage konsequent zu trennen.

Bitte verlassen Sie sich nicht darauf, dass ein Pärchen so geschwisterlich zusammen lebt, dass es nicht zu einem ungewollten Deckakt kommt.

Natürlich werden auch die Spaziergänge durch zwei Hunde völlig anders. Am Anfang kann und soll der Welpe noch nicht so viel mitlaufen, dafür muss er seine eigenen Erfahrungen mit der Umwelt machen dürfen. Der Ersthund will natürlich auch wissen, dass ihm noch das gleiche Interesse gewidmet wird wie zuvor. Also zweigeteilte Spaziergänge.

Dann kommt die Zeit, in der beide gleich fit sind und der Mensch geht mit einem Rudel spazieren, dass sich gegenüber allem und jedem sehr stark fühlt. Deshalb ist Aufmerksamkeit gefordert.

Und danach kommt die Zeit, in der der alte Hund in Ruhe „Hundezeitung“ lesen will und keine Lust mehr auf große Rennereien hat, während der junge Hund im Vollbesitz seiner Kräfte ist und was erleben will. Deshalb wieder zweigeteilte Spaziergänge.

Wenn als Zweithund ein erwachsener Hund ins Haus kommen soll, muss diese Kombination natürlich besonders sorgfältig geprüft werden. Auch zwischen zwei Hunden, die sich auf neutralem Boden wunderbar verstehen, kann es zuhause zu Eifersüchteleien kommen. Schließlich wurde ja einer gerade entthront und muss jetzt mit einem Hund teilen, der auch schon weiss, was er will.

Zuhause werden beide Hunde natürlich zusammen leben, zur gleichen Zeit fressen und sich überhaupt einen gemeinsamen Rhythmus angewöhnen.

Bei den „Extras“ im Hundeleben gilt eine andere Regel. Seie es Ausbildung oder Ausflug, wenn die Hunde sich eine Bezugsperson teilen, müssen sie warten lernen. Wenn zwei oder gar mehrere Personen sich um die Hunde kümmern, wird jeder Hund auch seinen Lieblingschef bekommen.

Im Gegenzug dazu muss auch der Mensch lernen zu teilen, einen Hund auch mal warten  lassen oder ihn nicht mitnehmen und wenn mehrere sich um die Hunde kümmern, auch zu akzeptieren, dass einer der beiden sich nicht so sehr zu ihm, sondern zu seinem Partner hingezogen fühlt.

Der Zweithund ändert also das Leben für alle, ausser für einen Welpen, der diese Struktur als gegeben hinnimmt, aber sehr trauern wird, wenn der ältere Freund irgend wann einmal fehlt.

Es gibt auch immer wieder die Überlegung, sich zwei Welpen gleichzeitig anzuschaffen.

Das ist eine Sache, die meiner Meinung nach ein Hundeführer alleine nicht schaffen kann.

Mindestens einer der Hunde wird sich nicht seinen Fähigkeiten entsprechend entwickeln.

Selbst wenn die Welpen in einem Haushalt von zwei Personen betreut werden, die sich die Hunde konsequent aufteilen, ist es noch schwierig genug.

Gut überlegt ist es eine schöne und bereichernde Sache, sein Leben mit zwei oder gar mehreren Hunden zu verbringen, aber sie will durchdacht werden und muss realisierbar sein.

Nachzuchtbeurteilung – was bedeutet das?

Das Wort dürfte Ihnen als neuem Hundebesitzer nicht unbekannt sein, vielleicht klingelt es auch schon in den Ohren. Ihr Züchter hat sie bestimmt auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht, wahrscheinlich auch schon zu einem bestimmten Termin eingeladen. Vielleicht hat er die Anmeldeformalitäten schon Wochen vorab für Sie erledigt und höchstwahrscheinlich wird er auch dabei sein und sie mit Rat und Tat unterstützen.

Jetzt stehen Sie an einem Samstag oder Sonntag mit Ihrem halbwüchsigen Hund, bewaffnet mit all seinen Papieren auf einem Hundeplatz. Ihrem Hund ist alles fremd und Ihnen wahrscheinlich auch. Bei der Anmeldung gehen Sie erst einmal aller Papiere verlustig, aber keine Angst, die geschäftige Person, bei der Sie sich angemeldet haben, wird sie gut behüten.

Ihr junger Hund wird natürlich jetzt alles zeigen, nur nicht das gute Benehmen, dass er ja eigentlich schon kann. Er zieht an der Leine, schnüffelt überall rum und ist mächtig aufgeregt. Am Besten, Sie gehen jetzt erst mal irgendwo abseits und lassen ihn die Aufregung abbauen und seine Geschäfte erledigen. Danach kann er ja wieder in sein „2. Wohnzimmer“, das Auto gebracht werden.

Sie selbst werden sicher zu einer Begrüßung und Erklärung des Ablaufes eingeladen werden. Sie lernen die wichtigen Menschen des Tages kennen, nämlich die Richterin/den Richter, die Organisatoren und die Leute, die assistieren, also später Ihren Hund messen wollen oder mit ihm spielen. Und dann geht es los. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Hund als erster beurteilt wird, ist ca. 1/20. Nutzen Sie die Zeit um sich die Präsentation anderer Kandidaten anzusehen und lassen Sie Ihren Hund ruhig etwas im Auto ausruhen.

Die NZB kennt kein „bestehen“ oder „durchfallen“, sondern nur „teilgenommen“.

Sie ist die Vorstellung eines jungen, absolut unfertigen Hundes, der durchaus zeigen darf, dass er noch nicht erwachsen ist. Sie soll Ihnen auf dem Weg zur Partnerschaft mit Ihrem Hund Anregungen und Hilfestellung geben. Gleichzeitig soll sie eine Information für Züchter und Zuchtverein sein, die ja der Fortführung und Verbesserung unserer Zucht verpflichtet sind.

In der Entwicklung ist natürlich auch ein großer Unterschied zwischen einem 7 Monate alten und 13 Monate alten Hund zu erkennen. Die Richter und Zuchtverantwortlichen wissen das und tragen dem Rechnung.

Es gibt zwei Punkte, zu denen Sie als Hundebesitzer vom ersten gemeinsamen Tag an entscheidend beitragen.

Lernen Sie mit Ihrem Hund richtig zu spielen. Die Welpenschulen des RZV werden Ihnen dabei helfen.

Lehren Sie Ihren Hund, sich überall und immer von Ihnen (und später auch von anderen Personen) anfassen zu lassen. Das ist für den täglichen Umgang enorm wichtig, z.B. könnte sich mal etwas in den Zähnen verhaken, es könnte sich auch mal ein Dorn in die Pfote spießen, es könnte eine Verletzung oder auch eine Zecke am Rücken oder an den Flanken sein, usw. Das angstfreie Umgehen mit der Inspektion wird Ihrem Hund sowohl beim Tierarzt als auch bei jeder Vorstellung des Hundes zugute kommen.

Alle anderen Punkte der Vorstellung Ihres „Halbstarken“ sollen keinen perfekt erzogenen Hovawart zeigen und seine Reaktionen sind auch nicht mit denen eines erwachsenen Hundes zu vergleichen. Das ist gut und richtig so.

Je stressfreier Sie mit Ihrem Hund umgehen, umso mehr helfen Sie ihm bei seiner ersten Vorstellung in der Öffentlichkeit.

Bitte scheuen Sie sich auch nicht, Fragen zu stellen, wenn Ihnen etwas unklar ist. Rund um die Veranstaltung gibt es immer Leute, die schon längere Erfahrung und Zeit haben, auch wenn sie nicht in das offizielle Geschehen eingebunden sind.

Wir wünschen Ihnen einen schönen und ereignisreichen Tag mit Ihrem jungen Hund.

Marken, blond … Die Farbentwicklung zum erwachsenen Hund.

Der Welpe, den Sie im Alter von drei bis acht Wochen beim Züchter besuchen und der vielleicht Ihr Hund wird, wird Sie vor einige Fragen stellen, denn er sieht absolut noch nicht so aus wie Sie sich Ihren erwachsenen Hund vorstellen. Das Welpenfell ist plüschig und stumpf und lässt noch jeden Glanz vermissen.

Blonde Welpen sind noch sehr hell. Bitte achten Sie auf die Farbe der Behänge. Sie lässt die spätere Tönung des Deckhaars erahnen, ist aber noch beige und wird erst blond. Auch die gewünschten Aufhellungen sind noch nicht so gut zu sehen oder nur zu erahnen. Ein blonder Hovawart wird mit steigendem Alter immer einen Ton dunkler.

Weiße Abzeichen wirken sehr groß, aber sie wachsen nicht im gleichen Maße mit, sondern verkleinern sich optisch. Erlaubte weiße Abzeichen gibt es an der Brust, wenn sie sich auf die Brust begrenzen und an Zehen und Pfote, die dem ungeübten Betrachter riesig erscheinen. Auch einzelne weiße Haare an der Rutenspitze sind erlaubt. Vor allem schwarze Welpen sehen oft wie kleine Harlekine aus.

Die Zeichnung der schwarzmarkenen Hovawarte ist nicht einheitlich. Grundsätzlich gilt, dass eine schwache Markenzeichnung toleriert wird, überzeichnete Marken aber unerwünscht sind. Auch die Markenzeichnung entwickelt sich erst im Laufe der Zeit. Sehr viele Welpen haben noch einen ganz schwarzen Kopf und die Marken an der Brust fehlen auch noch. Die ersten Marken erscheinen meist erst nach und nach mit den Fellwechseln.

Die Markenzeichnung an den Beinen ist allerdings bereits im Welpenalter sichtbar. Gerade die netten Augenpunkte lassen oft noch ein bis zwei Jahre auf sich warten, dann läuft man aber nicht Gefahr, dass sich aus den Punkten eine Brille entwickelt, die genauso wie doppelte Brustmarken nicht erlaubt ist. Auch bei den schwarzmarkenen Hovawarten gilt, von Jahr zu Jahr wird die Zeichnung deutlicher und ausgeprägter und der Goldton kommt mehr zum Vorschein.

Die Pigmentierung der unbehaarten Haut entwickelt sich bei blonden Hunden ebenfalls erst nach der Geburt Stück für Stück. Bei der Geburt sehen sie aus wie kleine „Schweinchen“ und die Pigmentierung entwickelt sich sehr individuell, beginnend nach einigen Tagen oder auch erst Wochen und Monaten. Nicht alle werden ein durchgehend dunkles Pigment entwickeln und es wird sich immer mit den Jahreszeiten und mit dem Alter ändern. Eine nicht vollständige Pigmentierung ist kein Standardfehler. Auch dunkle Hovawarte können mit einem noch nicht vollständigen Pigment geboren werden, das sich aber ausbildet und im Laufe ihres Lebens wieder rosa Flecken (z.B. an den Lefzen durch eine Verletzung) bekommen.

Ihr Welpe muss nicht perfekt gezeichnet sein, denn jeder Hund besteht nicht nur aus seinem Haarkleid samt Färbung sondern auch aus einem harmonischen Körperbau, einer schönen Kopfform, einem Gangwerk, das seine Bewegungsfreudigkeit zeigt und vielem mehr. Ganz wichtig ist: nur ein freundlicher, ausgeglichener Hund kann seine Vorzüge zur Geltung bringen.

In diesem Sinne, erlauben Sie Ihrem Hund eventuell einen kleinen Makel genauso wie sich selbst.

Schokolade, Weintrauben – Nein Danke! Die unterschätzte Gefahr – Vergiftungen durch Lebensmittel.

Es gibt Nahrungsmittel, die wir Menschen fast täglich auf dem Speiseplan haben, die für uns gesund und bekömmlich sind, die aber bei unseren Hunden zu schweren, selbst tödlichen Vergiftungen führen können.

Dass Schokolade für Hunde tabu sein sollte, ist bekannt. Der giftige Wirkstoff ist Theobromin und je dunkler die Schokolade, desto höher der Theobromingehalt. Vergiftungserscheinungen wie Zittern, Atembeschwerden, Herzrhythmusstörungen zeigen sich erst nach Stunden, da das Theobromin sehr langsam gelöst wird.

Zwiebeln und ihre Verwandten in jeder Form führen durch ihre Schwefelverbindungen (bei denen uns nur die Tränen kommen) beim Hund zur Hämolyse (Auflösung der roten Blutkörperchen). Symptome zeigen sich erst nach zwei bis drei Tagen. Hierzu gehören blasse Schleimhäute, Erbrechen, Durchfall, beschleunigte Herz- und Atemfrequenz.

Avocados enthalten Persin, eine Substanz, die für den Menschen ungefährlich ist, aber bei vielen Tierarten eine irreparable Schädigung des Herzmuskels verursacht. Die Symptome sind Husten, Atemnot, beschleunigte Herzfrequenz, Wassereinlagerungen an Hals und Bauch. Hier ist sehr schnelles Handeln angesagt.

Beim Steinobst sind die blausäurehaltigen Steine gefährlich, wenn sie zerbissen werden.

Die Symptome sind Übelkeit, Speicheln, Herzklopfen, Atembeschwerden.

Natürlich können die meist scharfkantigen Steine auch unzerbissen  zu Verletzungen des Magen-Darm-Traktes führen.

Walnüsse, geknackt und die braune Schale entfernt, sind kein Problem. Hochgiftig sind allerdings Walnüsse, die noch die grüne Schale tragen, da die Innenseite der grünen Schale Strychnin enthält. Vor allem Welpen und Junghunde, die ja bekanntlich alles ins Maul nehmen und darauf herum kauen, sind in höchstem Maße gefährdet. Es wurden Todesfälle beschrieben.

Auch Kernobst sollten die Hunde nur in Maßen fressen, hier ist die Gefahr aber nicht so groß. Allerdings sind 10 Äpfel auf einem Spaziergang auch für einen ausgewachsenen Hovawart etwas viel.

Sehr gefährlich wiederum sind Weintrauben und noch gefährlicher, weil konzentrierter Rosinen. Welche Inhaltsstoffe gefährlich sind, ist noch nicht bekannt, sie führen aber innerhalb von 24 Stunden zu Nierenversagen. Frühe Symptome sind Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen.

Gewarnt wird auch vor rohen Bohnen und grünen oder gekeimten Kartoffeln.

Gefährlich für Kinder und Hunde ist das Zerkauen und Verschlucken von Zigaretten und Nikotinentwöhnungspflastern.

An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass humanmedizinische Medikamente nie eins zu eins auf Hunde übertragbar sind. Vor allem schmerzlindernde Mittel, die bei Menschen teilweise schon seit Jahrzehnten mit gutem Erfolg angewendet werden, können bei Hunden schwere Schäden des Verdauungstraktes bewirken. Auch Mittel gegen Herzbeschwerden und Hypothyreose stehen hier im Blickpunkt. Die Dosierung kann völlig anders als beim Menschen ratsam und sinnvoll sein. Bitte sprechen Sie unbedingt Ihren Tierarzt an.

Krankmachende oder gar letale Mengenangaben sind schwer zu machen, da man immer das Alter, das Gewicht und den allgemeinen Zustand des Hundes im Zusammenhang sehen muss.

Bitte nehmen Sie bei Verdacht auf eine Vergiftung sofort Kontakt zu Ihrem Tierarzt auf.

Nehmen Sie Reste des verdächtigen Stoffes oder Erbrochenes mit. Handeln Sie schnell.

Giftnotruf:    1 92 40

Speziell mit Tiervergiftungen befasst sich:

Giftinformationszentrale in Mainz

Tel.: 06131 – 19240 (Notfälle)

Tel.: 06131 – 232466 (nicht akute Fälle, Beratung)

www.giftinfo.uni-mainz.de

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung des BMT (Bund gegen Missbrauch der Tiere) aus einem Interview mit Herrn Dr. Uwe Wagner, erschienen in der Vereinszeitschrift, zusammengestellt.

BMT, Victor-Scheffel-Str. 15, 80803 München, Tel.: 089 – 383952-23

Internet:
http://www.bmt-tierschutz.de e

Ein Hund aus zweiter Hand – Erfahrungen mit einem Hovawart aus der Notvermittlung.

Infos aus erster Hand über einen Hund aus zweiter Hand

Sehr informativ und lesenswert ist dieser Beitrag von Marlies Schäfer-Gollnow. Seit Jahrzehnten Hovawart-geübt, vertraut mit allen Prüfungen und ehemalige Deckrüdenbesitzer wagte das Ehepaar Schäfer jetzt den Schritt zur Hündin aus zweiter Hand.

Kiras Geschichte oder Erfahrungen mit einem “second-hand-hound”

Eigentlich wollten wir nach dem überraschenden und dramatischen Tod unseres letzten Hovawart-Rüden keinen weiteren Hund.

Der Alltag zeigte uns jedoch, dass es wohl ohne Hund nicht geht. Durch einen Hinweis der Notvermittlung lernten wir eine Familie kennen, die ihre 2 3/4 Jahre alte Hündin “Kira”, eine kleine schwarzmarkene Hündin, abgeben musste.

Nach einer Stunde Informationen über Kira, luden wir sie in unser Auto ein und traten den Heimweg an.

Wir hatten bis dahin während 32 Jahren insgesamt 4 Rüden-Welpen aufgezogen und meinten genügend Hundeerfahrung zu besitzen, um der erwachsenen Hündin gerecht zu werden. Auf welche Herausforderung wir uns eingelassen hatten, war uns vor lauter Freude, wieder mit einem eigenen Hund zu leben, wohl nicht ganz bewusst.

Welche Vorteile brachte Kira mit: sie war erwachsen, stubenrein und hatte die richtige Größe und Gewicht, um auch von einem älteren Menschen in Krisensituationen festgehalten werden zu können.

Die Informationen der Vorbesitzer waren ehrlich: Kira hatte eine Grundausbildung erhalten, aber man hatte zu wenig Zeit für sie. So entwickelte sie manchen Nachteil, der bei unseren früheren Welpenerziehungen erst gar nicht aufgetreten war.

Ihr übelster Nachteil war: ihre Vorliebe zum Jagen, plötzlich und unerwartet, meistens auf dem Heimweg von einem Spaziergang. So ließ sie mich bis zu 1 1/2 Stunden in der “Pampa” stehen, um dann mit hängendem Kopf wieder aufzutauchen. Nun auch noch freuen und loben, das kostete schon manche Überwindung.

Aber nun der Reihe nach, wie wir auch heute noch nach 16 Monaten des Zusammenlebens mit Kira daran “tüfteln”, sie zu einem “brauchbaren” Hovawart zu erziehen. In den ersten 3 Monaten behandelten wir Kira wie einen Welpen… nur, dass uns ihre “Prägungsphase” nicht bekannt war. Sie entwickelte zunächst keinerlei Bindung, sodass sie auf allen Spaziergängen an der Leine geführt werden musste. “Spielen” war für sie ein Fremdwort, sie lief keinem Ball hinterher und brachte keinen “Quaki”, “Wurm” o.ä. genanntes Spielzeug. Am liebsten lag sie stundenlang im Garten und verbellte alles, was des Wegs kam. 

Ein Glück, dass es da den “Collin” gab, einen fast gleichaltrigen Hovawart-Rüden, dem sie so manches abschaute und der ihr Kumpel wurde. Das Problem war, dass wir sie nicht mit dem Ball belohnen konnten. Wir merkten, dass sie alle Kommandos kannte, jedoch nicht sauber ausführte. Bei der herkömmlichen Erziehungsmethode zeigte sie massives Meideverhalten. Also griffen wir zum “Clicker” und “Leckerli” und vielen „Kontaktübungen“. Damit versuchten wir, ihr eine gute Leinenführigkeit beizubringen.

Es waren harte Wochen, die wir mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen überstehen mussten. In der Ausbildung boten wir ihr die Fährte und Obedience an. Dann machten wir die Beobachtung, dass Kira keine roten Anoraks und Schlapphüte leiden konnte und darauf losging. Bei Gewitter verfiel sie in lautes Bellen und unruhiges Umherlaufen.

Rückfragen beim Vorbesitzer ergaben: Kira hatte eine private Hundeschule besucht. Zudem lebte sie in ihrem “Erstwohnsitz” am Rhein und gleich hinter dem Garten verlief eine kleine Straße, die wiederum zu einem Schloss führte, auf dem alle paar Wochen ein Feuerwerk abgebrannt wurde. Es war ein einziges Herantasten an ihr “Vorleben”.

Gleichzeitig aber wollte und musste sie beschäftigt werden, da sie sehr lernfähig ist. Nach 3 Monaten kam sie von sich aus zum ersten Mal zum “Schmusen”, das sie seither ausgiebig genießt und das auch viel zu ihrer Bindung beigetragen hat.

Sobald sie unterbeschäftigt ist, verfällt sie auch heute noch ins “Mäusezählen” und verselbständigt sich sofort. Es gäbe noch viele kleine Einzelheiten zu erzählen, die wir zusammen zu überstehen hatten.

Heute ist Kira ein fröhlicher, selbstbewusster Hund mit einem guten Nervenkostüm. Damit unsere Arbeit auch einen sichtbaren Erfolg hat, machte Kira die Ausdauerprüfung und die Begleithundeprüfung, bei der ich als Führerin trotz jahrzehntelanger Hundeerfahrung, noch den Sachkundenachweis erbringen musste, weil bisher alle Prüfungen von meinem Mann gelaufen wurden, er aber wegen der stärkeren Bindung der “Kleinen” an mich darauf verzichtete.

Wenn ich heute das Aufziehen eines Welpens mit der Übernahme der erwachsenen Hündin vergleiche, so bleibt als Fazit: Die Übernahme ist die größere Herausforderung, den Welpen kann ich von Anfang an in den Familienverband einbinden.

Trotzdem wünsche ich jedem “Notfall” einen guten “Zweitwohnsitz”.

F.A.Q – Abkürzungsverzeichnis

IAD: Ausdauerprüfung; Laufübung am Fahrrad über 20 km (große Hunde)

B: Blond, Farbe des Haarkleides (nach FCI Standard Nr. 190)

BH/VT: Begleithundeprüfung; (nach internationaler Prüfungsordnung) mit Schwerpunkt auf Unbefangenheit,
Gehorsam und Verkehrssicherheit; Grundlage für die Teilnahme an Prüfungen und Wettkämpfen

FCI: Fédération Cynologique Internationale ; größter kynologischer Dachverband

IFH V, 1-2: Fährtenhundprüfung in den Stufen V, 1 bis 2 (nach VDH-Prüfungsordnung)

FPr 1-3: Fährtenprüfung der IGP in den Stufen 1 bis 3 (nach VDH-Prüfungsordnung)

Gebrauchszucht: Beide Elterntiere haben zusätzlich zur Standardzucht mindestens eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt:
IFH2, OB2, THS Vierkampf 3, RH (Fläche, Trümmer, Lawine oder Wasser), IGP 1 oder IPO 1

GPr1-3: Gebrauchshundprüfung, bestehend aus Abteilung B-Unterordnung und Abteilung C-Schutzdienst der IGP 1-3 (nach VDH-Prüfungsordnung

HD-A1/A2/B1/B2: Kein Hinweis auf Hüftdysplasie, HD-Frei; Voraussetzung für die Zuchtzulassung

Herzuntersuchung o.B.: freiwillige Untersuchung, kein Hinweis auf erbliche Herzerkrankungen

IBGH 1-3: Unterordnungsprüfung in den Stufen 1 bis 3 (nach VDH-Prüfungesordnung)

IHF: Internationale Hovawart Föderation; Zusammenschluss von z.Z. 16
Hovawart-Zuchtvereinen in Europa und Nordamerika

IPO bzw. IGP V, 1-3: Vielseitigkeitsprüfung in den Stufen V, 1 bis 3; (nach internationaler Prüfungsordnung)

IPO bzw IGP-FH 1-2: Fährtenhundprüfung in den Stufen 1+2 (nach internationaler Prüfungsordnung)

Leistungszucht: Beide Elterntiere haben zusätzlich zur Standardzucht mindestens die IGP1 oder IPO 1 mit mindestens 80 Punkten in C bestanden oder ein Elternteil hat mind. die IGP 1 oder die IPO 1 bestanden mit mindestens 80 Punkten in C und mindestens drei von vier Großeltern (der Welpen) haben mind. die IGP 1 oder die IPO 1 mit mindestens 80 Punkten in C bestanden.

OB Beg./1-3: Obedience-Prüfungen in den Stufen Beginner, 1 bis 3 (nach VDH-Prüfungsordnung)

RZV: Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde e.V., erster und größter Zuchtbuch führender Verein der Rasse im VDH

S: Schwarz; Farbe des Haarkleides (nach FCI Standard Nr. 190)

SM: Schwarzmarken; Farbe des Haarkleides (nach FCI Standard Nr. 190)

StöPr 1-3: Stöberprüfung in den Stufen 1-3 (nach VDH-Prüfungsordnung)

Standardzucht: Beide Elterntiere sind frei von HD (A oder B), von erblich bedingten Augenkrankheiten, haben eine Jugendbeurteilung und eine Zuchttauglichkeitsprüfung, oder zwei Zuchttauglichkeitsprüfungen bestanden und auf einer vom VDH termingeschützten Ausstellung mindestens die Bewertung “gut” erhalten (ab der Zwischenklasse)

THS Vierkampf 3: Turnierhundsport, Disziplin Vierkampf der Stufe 3 (nach VDH-Prüfungsordnung)

UPR 1-3: Unterordnungsprüfung der IPO/IGP in den Stufen 1 bis 3 (nach VDH-Prüfungesordnung)

ZB-Nr.: Zuchtbuchnummer mti der der Hund im Zuchtbuch geführt wird


Welpen & Junghunde

Die Junghundeliste umfasst die kleinen Hunde zwischen ca. 12 Wochen und einem Jahr. Sie leben oft noch bei ihren Züchtern und werden dort gefördert und aufgezogen. … Mehr

Züchterliste

Sie können sich auch von einem Züchter in Ihrer Nähe auf unserer Züchterliste über den Hovawart beraten lassen. Die Liste aller aktiven Züchter im RZV finden Sie hier. … Mehr

Deckrüdenliste

Alle im Deckrüden im RZV finden Sie in unserer Deckrüdenliste. … Mehr