Harmonie und Präzision im Blick

Obedience – Die hohe Schule des Gehorsams

Gehorsam und freudige Teamarbeit zwischen Hund und Mensch sind die Tragsäulen der aus England stammenden Hundesportart Obedience. Thomas Nicolas ist mit dem Obedience-Virus infiziert – und das schon seit Jahren. Der 54-jährige aus Oberhausen ist seit 1995 Mitglied im RZV. Seiner Passion folgend, übernahm er im Jahr 2011 die Rolle als Obedience-Beauftragter. Das aber war dem passionierten Sportler nicht genug. 2021 startete er mit seiner Ausbildung zum Leistungsrichter und wird ab sofort in dieser Funktion beurteilen, wie gut die Teams die anspruchsvollen Aufgaben erfüllen.


INTERVIEW und TEXT Kirsten Breidenbach FOTOS RZV-Archiv

Thomas Nicolas mit Dragon von der Megalithsichel

INTERVIEW

DER HOVAWART: Wie bist Du zum Obedience gekommen?

THOMAS NICOLAS: Mein Rüde Jazz vom Holter Berg, der Anfang 2004 bei mir einzog, lief eine sehr schöne Unterordnung, tat sich aber anfänglich ein wenig schwer in dem Bereich Schutzdienst. Mit ihm habe ich erst gelernt, wieviel Spaß Unterordnung machen kann. 2006 bin ich dann auf Obedience aufmerksam geworden, hab mir die ersten Prüfungen angeschaut, hab die ersten Seminare besucht und zu dem Zeitpunkt bin ich mit dem Virus Obedience infiziert worden.

DH: Was fasziniert Dich am Obedience?

TN: Bei dieser Sportart geht es um Harmonie und Präzision. Auf der einen Seite um schnelle, kontrollierte und exakte Ausführung der unterschiedlichsten Übungen. Auf der anderen Seite aber auch um das perfekte Zusammenspiel des Mensch-Hund-Teams.

DH: Hast Du Vorbilder in der Obedience Ausbildung?

TN: Einzelne Vorbilder nicht direkt. Die eigentlichen „Cracks“ im Obedience arbeiten sehr viel mit Ablenkung. Zum Beispiel arbeiten zwei Hunde in einer Übung, ohne sich gegenseitig abzulenken und auch nur auf Kommandos ihres Hundeführers zu reagieren. Das kommt oftmals im Training zu kurz.

DH: Seit wann arbeitest Du mit Deinen Hunden im Obedience?

TN: Seit 2006 hat mich Obedience nicht mehr losgelassen. Mit meinem zweiten Hovawart, dem blonden Rüden Jazz „Jago“ vom Holter Berg habe ich die ersten Prüfungen gelaufen.

DH: Was soll der ideale Obediencehund mitbringen?

TN: Der Obedience-Hund muss sozialverträglich sein. In den Gruppenübungen aller Klassen und besonders in der Beginner-Klasse wird das kontrolliert. Hilfreich ist natürlich eine hohe Arbeitsbereitschaft des Hundes.

DH: Wie oft trainierst Du in der Woche mit Deinen Hunden?

TN: Zeitweilig habe ich 4-mal die Woche auf dem Hundeplatz trainiert. Jetzt im Moment klappt es leider nur einmal. Nachdem wir durch eine verletzungsbedingte Pause von Dragon ein halbes Jahr verloren haben, bin ich damit aber auch schon zufrieden. Wir werden uns aber auf jeden Fall wieder auf 2 – 3-mal die Woche steigern.

DH: Hast Du einen Tipp für ein gutes Training?

TN: Ein gutes Training muss auf jeden Fall Hund und Hundeführer Spaß machen.

DH: Welche Obedienceveranstaltung, an der du teilgenommen hast, ist dein persönliches Highlight?

TN: Ein Highlight war auf jeden Fall die erste VDH DM Obedience, an der ich teilgenommen habe. Das war 2008 in Knittlingen mit Jazz „Jago“ vom Holter Berg. Wir erreichten den 5. Platz mit einem Vorzüglich.

DH: Obedience steigt in der Beliebtheit der Hundeführer, weißt Du woran das liegt?

TN: Die Neuerungen in den Prüfungsordnungen machen es den Teams nicht einfacher, aber es ist eine Sportart, die Hund und Hundeführer fordert, es wird nie langweilig. Gefragt sind Fantasie bei der Ausbildung, das richtige Motivieren des Hundes, seine ganze Aufmerksamkeit, damit er auf Distanz die Anweisungen sofort ausführen kann. In der Gruppe der Obedience Sportler des RZV ist der Zusammenhalt sehr groß. Das versuche ich auch weiter zu erhalten. Es macht Spaß innerhalb dieser großen Familie zu arbeiten.

DH: Wie verlief dein Weg vom Hundeführer bis hin zum Vereinsfunktionär?

TN: Als ich meine erste Hovawart Hündin Assja von den Grotten 1995 erhalten habe, wollte ich eigentlich nur, dass die Maus ein wenig hört. Deshalb bin ich nach Voerde in die Welpengruppe gegangen. Hätte damals nie gedacht, was sich daraus in 27 Jahren entwickelt. Zuerst hat mich der Virus Hundesport, in dem Fall der Gebrauchshundesport und die Fährtenarbeit gepackt. Dann folgte irgendwann der SKN (Sachkundenachweis). Dann folgte die eigene Übungsgruppe mit der Tätigkeit als Ausbilder und 1. Vorsitzenden. 2006 ging es mit Obedience los. Da wurde dann auch der SKN gemacht. 2009 wurde ich nach Prüfung beim HSVRM Ringsteward. 2010 erfolgte die Ernennung zum Lehrausbilder Obedience. 2011 habe ich dann die Funktion des Beauftragten für Obedience im RZV übernommen. Des Weiteren war ich auch in der Landesgruppe Rheinland 2006 und 2007 und später in der Landesgruppe NRW wieder seit 2011 als Beisitzer und Obedience-Beauftragter aktiv. 2021 folgte die Ausbildung zum Obedience Leistungsrichter, die ich im November 2022 mit erfolgreich abgelegter Richterprüfung abgeschlossen habe.

DH: Was hat Dich dazu bewogen, Leistungsrichter Obedience zu werden?

TN: Früher hätte mich Willi Bittner gerne schon als Leistungsrichter im Obedience gesehen, habe ich mir damals aber noch nicht zugetraut. Der Gedanke, die Ausbildung als Leistungsrichter anzutreten, musste erst reifen. Als BfO habe ich die Richterprüfung von Marion Herrmann begleitet und da habe ich mir auch das erste Mal vorstellen können, selber Leistungsrichter zu werden. Die Anzahl der Prüfungen im RZV-H nehmen immer weiter zu und ich freue mich, jetzt in dem Team der Leistungsrichter mitzuarbeiten.

DH: Welchen Weg bist du bis zur Richterprüfung gegangen?

TN: Nach der Bewerbung und der Genehmigung durch das Präsidium wurde ich im November 2021 zur Obedience Leistungsrichter Anwärterprüfung in Knittlingen zugelassen. Nach bestandener Prüfung durfte ich als Anwärter tätig werden. Die Ausbildung und Prüfungen zum LR wurden im dhv absolviert. Es folgten 11 Anwartschaften bei 8 verschiedenen Richtern im OB und BH. Bewertet habe ich offiziell 98 Obedience- und 35 Begleithunde-Teams. Insgesamt war ich für die Ausbildung und die Prüfungen in dem Jahr nach der Eingangsprüfung ca. 8000 km unterwegs. Die Abschlussprüfung folgte am 19./20.November 2022 in Feudenheim beim dhv.

DH: Was willst Du als Richter vom Hund-/Hundeführerteam sehen?

TN: Faire Vorführungen von Teams, wo man merkt, dass beide Spaß an der Arbeit haben.

DH: Wie hat sich Obedience im Laufe der Jahre hinsichtlich der Ausbildung und der Prüfungen verändert?

TN: Die Übungen sind mit jeder neuen PO komplexer geworden. Es wird viel Wert auf harmonisches und perfektes Arbeiten gelegt.

DH: Hast Du einen schnellen Tipp für die Prüfungsteilnehmer?

TN: Wichtig ist es, als Team zu starten und den Hund nie im Regen stehen zu lassen.

DH: Ist es einfacher oder schwieriger für Dich einen Hund zu bewerten, den Du gut kennst?

TN: Es darf für mich nicht einfacher oder schwieriger sein, es muss das bewertet werden, was der Hund in dem Moment in der Prüfung zeigt.

DH: Wir danken Dir für das Interview und wünschen Dir allzeit faire und harmonische Veranstaltungen! Möchtest Du unseren Lesern noch etwas mitteilen?

TN: Ich möchte mich hier einmal bedanken, bei Allen die mich bei meiner Arbeit unterstützen und bisher unterstützt haben. Die Obedience-Gruppe im RZV macht wirklich Spaß. Ich freue mich auf ein spannendes Jahr mit vielen schönen Veranstaltungen.


Beitrag eingestellt durch presse.olnds

Süße Hovawart Hunde