Die Sprechstunde: Tierarztkosten

Wie bleibt der Tierarztbesuch bezahlbar?

Selbst ein gesunder Hovawart muss ab und zu zum Tierarzt. Und da wird es ab Ende November deutlich teurer. Der Bundestag hat die Erhöhung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) beschlossen; sie tritt am 22.11.2022 in Kraft. Daß neben explodierenden Energiekosten und rekordverdächtiger Inflation jetzt auch die Gesundheitsversorgung unserer Haustiere deutlich teurer wird, macht verständlicherweise Angst. Also versuche ich hier ein paar Tipps zu geben zum Thema „Wie bleibt der Tierarztbesuch bezahlbar?“


TEXT Dr. med.vet. Claudia Veit
Fachtierärztin für Klein- und Heimtiere

Finanzierung sichern

Denken Sie bereits bei der Anschaffung Ihrer Haustiere an die Folgekosten. Beim Auto ist es ja auch nicht mit dem Kaufpreis und regelmäßigem Auftanken getan. Steuer und Versicherung, Ersatz von Verschleißteilen, Inspektionen, TÜV, ASU, Reparaturen und gelegentliche Strafzettel läppern sich.

Denken Sie also nicht nur an Futter, Hundesteuer und Haftpflicht-Versicherung. Das HD-Röntgen und eine DOK-Augenuntersuchung sind auch für nicht zur Zucht vorgesehene Hovawarte sinnvoll. Alle Hunde brauchen regelmäßig Parasitenprophylaxe und Impfungen. Verletzungen wie der Tritt in eine Scherbe mit Wundnaht oder Verbandsbehandlung, ein Unfall mit anschließender Not-OP oder eine chronische Krankheit wie die Schilddrüsenunterfunktion können jeden treffen.

Der Ulmer Tierarzt Ralf Rückert hat in seinem Blog sinngemäß geschrieben, dass sich Menschen mit einer stets mit mindestens € 5.000,- gefüllten Portokasse über Tierarztkosten keine Gedanken machen müssen. Alle anderen müssen sich überlegen, wie sie mit dem Problem umgehen wollen. Es gibt – abgesehen von Banküberfällen (nicht empfehlenswert, außerdem streng verboten) und Lottogewinnen (Gewinnchance 1 zu 140 Millionen) – mehrere Möglichkeiten, sich für unvorhergesehene Tierarztkosten zu wappnen:

Reich sein

Scherz beiseite. Dies ist vielleicht die angenehmste aller Varianten. Aber wer nicht ein Vermögen geerbt, erfolgreich mit Aktien spekuliert oder einen gut bezahlten Beruf hat, kann das ja nicht mal eben so ändern. (Dem Sprichwort nach macht Geld zwar nicht glücklich, aber es gestattet einem wenigstens, auf angenehme Art unglücklich zu sein.)

Ein Sparbuch eröffnen

Manche Tierbesitzer legen regelmäßig eine feste Summe auf ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto zurück. (Orientieren Sie sich bei dem Betrag an dem monatlichen Preis für das Rundum-Sorglos-Paket einer richtig guten Tierkrankenversicherung oder den durchschnittlichen Kosten Ihrer früheren Hunde plus Inflationsausgleich. Wenigstens € 50 bis € 100 pro Monat sollten es schon sein.)

Das angesparte Geld wird ausschließlich für Tierarztkosten ausgegeben. Mit etwas Glück bleibt am Lebensende des Hundes ein hübsches Sümmchen übrig. Das kann in den Kauf des nächsten Hundes investiert werden oder als Grundstock für dessen „Tierarztkasse“ dienen.

Mit Pech reicht dieses finanzielle Polster aber nicht aus. Vielleicht verursacht der Hund schon in jugendlichem Alter hohe Kosten oder er benötigt zeitlebens mehr Tierarztbesuche als das Sparguthaben hergibt.

Ausgaben priorisieren

Wenn das Haushaltsgeld nicht für alles reicht, muss man notgedrungen auswählen, wofür man es ausgeben will. Manchmal ist das leichter gesagt als getan, denn nicht jeder hat eine Wahl.

Lässt man seinen Hund operieren oder kann man nächstes Jahr im Urlaub verreisen? Braucht der Hund für jeden Tag des Monats ein anderes Designerhalsband oder spart man dieses Geld lieber für potentielle Tierarztbesuche? Geht man zum Tierarzt oder zum Laienbehandler? Ich werde nie die Besitzerin einer sich pausenlos blutig kratzenden, abgemagerten, von Krusten und Ekzemen übersäten, anämischen Katze vergessen. Die wochenlange Allergiebehandlung für über € 700,- beim Tierheilpraktiker hatte nicht geholfen. Meine nur einen Bruchteil so hohe Rechnung für Untersuchung, Diagnose – Flohbefall! – und Parasitenmittel für mehrere Monate wollte sie nicht bezahlen, weil die Behandlung vorher doch schon so teuer war. (Frei nach der Werbung für die „Gelben Seiten“ hätte sie mal besser jemanden gefragt, der sich auskennt. Die € 700,- waren jedenfalls buchstäblich „für die Katz“.)

Beim Tierarzt in Raten zahlen

Manche Tierarztpraxen und -kliniken bieten für teure Operationen Ratenzahlungsverträge an. Meist arbeiten sie dazu mit speziellen Finanzdienstleistern zusammen. Voraussetzung ist üblicherweise eine positive Bonitätsprüfung. Wer also einen negativen SCHUFA-Eintrag hat, kann diese Möglichkeit meist nicht in Anspruch nehmen.

Ratenzahlungen sind übrigens i.d.R. etwas teurer als Sofortzahlungen.

Einen Kredit aufnehmen

Reicht das eigene Geld nicht aus, kann man es sich (hoffentlich) leihen. Wenn Familie oder Freunde nicht aushelfen können oder wollen, muss man ein Kreditinstitut in Anspruch nehmen. Den Überziehungskredit des Gehaltskontos auszureizen ist wegen der hohen Dispozinsen die schlechteste und teuerste Lösung.

Eine Tierkrankenversicherung abschließen

Was in der Humanmedizin selbstverständlich ist, verbreitet sich nun auch in der Veterinärmedizin: Krankenversicherungen. Immer mehr Anbieter erhöhen die Qual der Wahl. Das erschwert den Vergleich unterschiedlicher Angebote.

Informieren Sie sich vor Abschluss einer Tierkrankenversicherung möglichst umfassend. Empfehlenswert ist die Stiftung Warentest, deren Testberichte man online für kleines Geld anfordern kann (https://www.test.de/thema/tierkrankenversicherung/).

Zusätzliche Orientierung geben Vergleichsportale wie Verivox oder Check24. Beschränken Sie sich aber nicht auf ein einzelnes Portal und vertrauen Sie denen nicht blind. Versicherungsmakler beraten Sie individuell. Achten Sie auf wirklich unabhängige, freie Makler; andere verkaufen Ihnen ausschließlich eine Versicherung ihrer Vertragspartner. Die kann für Sie die günstigste sein, muss es aber nicht. Immerhin lebt jeder „kostenlose“ Versicherungsmakler von den Provisionen, die Sie mit Ihren Beitragszahlungen finanzieren. Dagegen bieten Verbraucherschutzorganisationen und freie Versicherungsmakler Honorarberatungen an. Sie bezahlen für eine fachkundige, firmenneutrale Beratung. So ein Berater ist nicht von Provisionen für Vertragsabschlüsse abhängig.

Fragen Sie auf dem Hundeplatz, beim Spaziergang und in Internetforen andere Tierfreunde mit krankenversicherten Hunden nach ihren Erfahrungen. Deren Auskünfte sind zwar nicht repräsentativ, helfen aber vielleicht trotzdem bei der Entscheidung. Vergleichen Sie die Situation der anderen Hundehalter mit den Verhältnissen bei Ihnen (vor allem hinsichtlich Rasse und Alter des versicherten Hundes). Und überlegen Sie, ob Sie bezüglich des Versicherungsschutzes die gleichen Prioritäten bzw. Ansprüche haben wie die von Ihnen Befragten.

Versicherungsprämien sind bei jährlicher Zahlungsweise übrigens meist günstiger, als wenn vierteljährlich oder monatlich bezahlt wird.

Zwischen OP-Versicherung und Vollversicherung wählen

Grundsätzlich müssen Sie sich entscheiden zwischen einer OP-Kostenversicherung (die deckt die Magendrehung und den operationspflichtigen Knochenbruch ab, nicht aber die Schilddrüsenunterfunktion) und einer Vollversicherung (da werden je nach Tarif sogar Impfungen und Wurmkuren bezahlt). Letztere ist erheblich teurer.

Das Kleingedruckte lesen

Vergleichen Sie die verschiedenen Tarife unterschiedlicher Anbieter akribisch. Scheinbar minimal andere Vertragsklauseln können erhebliche Auswirkungen auf die Kostenerstattung haben. Lesen Sie vor allem das Kleingedruckte ganz genau! Lassen Sie sich unverständliche Klauseln erklären. Ausschließlich schriftliche Vereinbarungen sind verbindlich. Mündliche Zusagen Ihres Versicherungsmaklers sind wertlos.

Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie freie Tierarztwahl haben. Für verschiedene Krankheiten gibt es Spezialisten, zu denen Ihre Haustierarztpraxis Sie ggf. überweisen möchte. Wenn der beste Spezialist für die Erkrankung Ihres Hundes kein Vertragsarzt Ihrer Versicherung ist, lehnt die möglicherweise die Zahlung ab. Holen Sie im Zweifel eine Deckungszusage Ihrer Versicherung ein.

Die seit 2020 vorgeschriebene Notdienstgebühr sollte zu den erstattungsfähigen Leistungen gehören. Wer weiß schon im Voraus, ob Ihr Hund nicht doch mal nachts, an Wochenenden oder Feiertagen einen Tierarzt braucht?

Zu Versicherungsbeginn besteht oft eine Karenzzeit, während der noch keine Kosten übernommen werden. Versicherer wollen so vermeiden, dass der Vertrag erst abgeschlossen wird, wenn eine teure Behandlung schon absehbar ist. Kürzere Wartezeiten bis zum Eintritt des Versicherungsschutzes sind für den Versicherungsnehmer vorteilhaft, bedeuten für den Versicherungsgeber aber ein höheres Zahlungsrisiko. Prüfen Sie, ob und welche Nachteile mit einem Vertrag ohne Karenzzeit verbunden sind.

Je nach Tarif gibt es Altersgrenzen für den Vertragsabschluss. Sehr junge Welpen und Hunde oberhalb eines Höchstalters sind i.d.R. nicht versicherbar.

Ein Auslandskrankenversicherungsschutz sollte zumindest für einen begrenzten Zeitraum pro Jahr bestehen. Es sei denn, dass Sie ganz, ganz sicher niemals mit Ihrem Hund Deutschland verlassen.

Vermeiden Sie eine Deckelung der Gebührensätze. Übernimmt Ihre Versicherung die Tierarztkosten z.B. nur bis zum 2,0-fachen GOT-Satz, bleiben Sie bei einer korrekt zum 4,0-fachen Satz abgerechneten Notdienstbehandlung auf der Hälfte der Kosten für sitzen.

Die Deckelung der Kostenerstattung auf einen bestimmten Prozentsatz führt zu einem unkalkulierbaren Risiko. Übernimmt Ihre Versicherung z.B. nur 80% jeder Rechnung, zahlen Sie selbst immer ein Fünftel der Tierarztkosten. Und zwar zusätzlich zu den Versicherungsprämien.

Überlegen Sie, ob Sie eine Eigenbeteiligung (Selbstbehalt) mit fixer Summe vereinbaren wollen. Je höher diese ist, umso geringer ist zwar Ihre Versicherungsprämie, aber umso mehr zahlen Sie aus eigener Tasche. Achten Sie unbedingt darauf, ob die Eigenbeteiligung pro Schadensfall oder pro Jahr gilt. (Letzteres ist besser.)

In manchen Verträgen wird ein Höchstsatz für die jährlichen Erstattung festgelegt. Oft steigt diese Summe mit der Versicherungsdauer. Ist der Hund bei Versicherungsabschluss jung und kerngesund, kann diese Regelung vorteilhaft sein. Haben Sie Pech und Ihr Tier verursacht schon im ersten Versicherungsjahr hohe Tierarztkosten, reicht die Deckungssumme möglicherweise (noch) nicht aus. Versuchen Sie herauszufinden, ob die festgesetzten Beträge realistisch sind oder wählen Sie eine Versicherung mit unbegrenztem Versicherungsschutz. (Die ist wahrscheinlich teurer.)

Für Tarife, die Wurmkuren und Impfungen einschließen, bezahlen Sie höhere Beiträge als für Verträge ohne Einschluß solcher Prophylaxe-Maßnahmen. Die Kosten für Parasitenkontrolle und Impfungen sind relativ leicht herauszufinden. Kalkulieren Sie jährliche Steigerungen wenigstens in Höhe der Inflationsrate ein. Impfpreise sind übrigens unabhängig von der Körpergröße, während Parasitenmittel wie andere Medikamente nach Gewicht dosiert werden; deshalb sind sie bei großen Hunden teurer als bei kleinen. Überlegen Sie, ob ein preiswerterer Vertrag ohne Impfung und Wurmkur für Sie vorteilhafter ist oder nicht.

Viele Versicherer definieren detaillierte Vertragsausschlüsse. Bestimmte Rassen, erbliche Krankheiten oder Vorerkrankungen sind meistens ebenso wenig versicherbar wie kosmetische Operationen und Kastrationen ohne medizinische Indikation. (Darüber gibt es immer wieder Streit mit den Versicherern.) Das Verschweigen von Vorerkrankungen wird als Versicherungsbetrug mit allen rechtlichen Konsequenzen geahndet und führt zum Verlust des Versicherungsschutzes. (Und bitte: erwarten Sie von Ihrem Tierarzt nicht, sich zum Komplizen eines Versicherungsbetruges zu machen.)

Selbst bei vergleichbaren Versicherungen kann der Umfang des Versicherungsschutzes sehr unterschiedlich sein. Ein Versicherer zählt bei seiner OP-Versicherung die Voruntersuchung samt Laboruntersuchungen dazu und übernimmt diese Kosten komplett. Ein anderer erstattet ausschließlich Leistungen, die in Vollnarkose erfolgen. Bei letzterem ist dann z.B. die chirurgische Abszeßspaltung unter Lokalanästhesie nicht erstattungsfähig. Beides heißt aber OP-Kostenversicherung. (Also immer das Kleingedruckte lesen!)

Erfahrungsgemäß werden Vertragskündigungen nach Schadensfällen oder bei Erreichen eines bestimmten Alters des versicherten Hundes sehr verschieden gehandhabt. Anders als bei der Krankenversicherung für Menschen haben bei Tierkrankenversicherungen beide Vertragspartner nach jedem Schadensfall (also bei jeder eingereichten Rechnung) ein Sonderkündigungsrecht. Das ist genau so wie bei der Haftpflichtversicherung für Ihren Hund oder Ihr Auto. Manche Versicherungen machen von ihrem Kündigungsrecht im Schadensfall sofort Gebrauch. Ich kenne z.B. einen Fall, wo die Versicherung nach einer Brustkrebsoperation einer Hündin eine Änderungskündigung vorgenommen und alle weiteren Tumorerkrankungen vom Versicherungsschutz ausgeschlossen hat. Selbst die chirurgische Entfernung eines Fremdkörpergranuloms durch einen eingetretenen Pflanzendorn wurde nicht übernommen. Andere Versicherungen kündigen, wenn der Hund ein bestimmtes Alter erreicht hat. (Wie in der Humanmedizin verursachen Patienten unabhängig vom erreichten Lebensalter in ihrem letzten Lebensjahr die höchsten Kosten.) Die Kündigungsgepflogenheiten dürften allerdings schwer herauszufinden zu sein.

Denken Sie daran, dass die meisten Tierärzte nicht direkt mit Ihrer Versicherung abrechnen. Sie sollten also in Vorleistung gehen und die Erstattung Ihrer Versicherung abwarten können.

In den letzten Jahren ist die Zahl der angebotenen Krankenversicherungen für Tiere sprunghaft gestiegen. Das macht Tarifvergleiche schwierig. Aber Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Mit der GOT-Erhöhungwerden vermutlich noch mehr Tierbesitzer eine Krankenversicherung abschließen. Das dürfte sich günstig auf die zu zahlenden Beiträge auswirken.

Günstige Voraussetzungen schaffen

Abgesehen vom finanziellen Aspekt können Sie einiges tun, um die tierärztliche Versorgung Ihrer Haustiere positiv zu beeinflussen.

Eine gesunde Hunderasse wählen

Einen ersten Schritt in Richtung niedrige Tierarztkosten haben Sie ja schon erfolgreich getan: mit dem Hovawart haben Sie sich eine gesunde, robuste und langlebige Hunderasse ausgesucht.

Ein krasser Gegensatz ist z.B. die Französische Bulldogge. Diese bedauernswerten Geschöpfe können oft erst nach einer mehrere Tausend Euro teuren Operation halbwegs frei atmen und sind insgesamt oft krank. Auch andere Moderassen sind krankheitsanfällig. Designerdogs wie Labradoodle und Co. leiden überdurchschnittlich oft unter Allergien. Hunde in Modefarben (z.B. silber, blau oder charcoal) erweisen sich als kurzlebiger und krankheitsanfälliger als die klassischen Standardfarben. Also: Augen auf beim Hundekauf!

Den Hund gesund aufziehen und halten

Eine umsichtige Zuchtplanung bzw. Anpaarung, sorgfältige Aufzucht, bedarfsgerechte Fütterung, schlanke Figur, angemessene Bewegung und regelmäßige Zahnpflege legen den Grundstock für ein gesundes Leben. RZV-Züchter geben sich dabei große Mühe.

Zu viel gelenkschädigende Bewegung (z.B. exzessive Ball- und Frisbeespiele) und Übergewicht fördern Arthrosen. Bewegungsmangel begünstigt Übergewicht und Verhaltensprobleme. Übergewicht verkürzt die Lebenserwartung und erhöht das Risiko für Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus = Zuckerkrankheit) und Krebs. Unzureichende Mundhygiene ist der Wegbereiter für Herzerkrankungen und Entzündungen im ganzen Körper. Sie können viel tun, um Ihren Liebling gesund zu halten!

Den Welpen gut erziehen

Erziehen Sie Ihren Welpen von Anfang an. Gewöhnen Sie ihn mit liebevoller Konsequenz daran, überall am Körper angefasst zu werden. Das schließt Pfoten, Ohren, Maul und Zähne ein.

Ein gut erzogener Hund lässt sich rechtzeitig abrufen, bevor er angefahren wird. Ein gut erzogener Hund klaut nicht vom Tisch und frisst nichts von der Straße; sein Risiko für einen verdorbenen Magen oder eine lebensbedrohliche Vergiftung ist minimal. Ein gut erzogener Hund lässt sich beim Tierarzt untersuchen – vielleicht nicht gerade mit Begeisterung, aber immerhin ohne Gegenwehr. Ich musste schon Hunde in Narkose legen, um ein zwischen den Oberkiefer-Backenzähnen festgeklemmtes Stöckchen entfernen zu können. Bei einem netten Hund ist das eine Bagatelle. Der Besitzer könnte das selbst mit einem kleinen Handgriff beheben. Bei einer um sich beißenden Furie geht es nur in Narkose. Dieser höhere Aufwand spiegelt sich in einer höheren Rechnung wider. (Außerdem ist jede Narkose mit Risiken verbunden, erst recht bei stark gestressten Patienten.)

Übrigens: auch bei Zuchttauglichkeitsprüfungen und Ausstellungen muss Ihr Hovawart sich anfassen und ins Maul schauen lassen. Anregungen, wie Sie das üben können, finden Sie in den Büchern von Celina del Amo „Vier gewinnt Vet: Kooperationstraining für Hunde“ und Sabrina Reichel „Keine Angst beim Tierarzt: Medical Training für Hunde“.

Anzahl der Haustiere begrenzen

Zwei Hovawarte bringen zwar doppelt so viel Spaß, verursachen aber auch doppelt so hohe Kosten. Gehören noch weitere Tiere zur Familie, kann das Budget für den Tierarzt schnell an Grenzen kommen. Erfahrungsgemäß verursachen neben Hunden vor allem Katzen und (die in jeder Hinsicht unterschätzten) Kaninchen oft erheblich höhere Haltungs- und Tierarztkosten als vom Besitzer vorher vermutet.

Lieber vorbeugen ist als heilen

Als wichtigste Prophylaxemaßnahmen sind regelmäßige Impfungen und Parasitenbehandlungen unersetzlich. Hat sich ein Hund erst mal mit Staupe, Katzenseuche oder Leptospirose infiziert, ist eine Behandlung teuer, langwierig und allzu oft erfolglos. Hatte ein Hund ohne gültige Tollwutimpfung Kontakt zu einem tollwutverdächtigen Tier (der Verdacht reicht aus!) ordnet der Amtstierarzt aus tierseuchenrechtlichen Gründen die sofortige Tötung an. Das können Sie nicht verhindern – außer eben im Vorfeld durch einen lückenlosen Impfschutz gegen Tollwut. Würmer verursachen außer Durchfall und Erbrechen vielfältige Krankheitssymptome, die teure Diagnostik nach sich ziehen. Flöhe, Mücken und Zecken übertragen gefährliche Krankheiten; einige davon sind unheilbar.

Nicht abwarten, bis aus der Mücke doch ein Elefant wird

Warten Sie beim Auftreten von Krankheitssymptomen nicht zu lange mit dem Tierarztbesuch. Länger bestehende Erkrankungen können den Körper stärker schädigen und den Heilungsverlauf erschweren. Im Endstadium sind sie möglicherweise gar nicht mehr heilbar. Immer mal wieder werden mir Patienten vorgestellt, die wegen zu langem Abwarten nur noch durch Euthanasie erlöst werden können. Das ist nicht nur ein eklatanter Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, sondern auch hochgradig unfair gegenüber einem Haustier, das „seinem“ Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.

Auch in unspektakulären Fällen sollten Sie nicht zu lange abwarten. Die wenigen Praxen und Kliniken, die überhaupt noch Bereitschaftsdienste außerhalb üblicher Öffnungszeiten machen, sind oft personell unterbesetzt und entsprechend überlastet. Eine Notfallbehandlung dient außerdem nicht der umfassenden diagnostischen Aufarbeitung eines Patienten, sondern lediglich dem blanken Überleben bzw. der Verhinderung einer weiteren Verschlechterung. Manche Notdienst-Behandlungsmaßnahmen können spätere diagnostische Tests verfälschen. Eine Konsultation außerhalb der gewöhnlichen Sprechstunden ist wegen der verpflichtenden Fallpauschale („Notdienstgebühr“) und der im Notdienst höheren GOT-Satz erheblich teurer als zu regulären Öffnungszeiten.

Einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen

Der Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses für Tierbesitzer kann Ihnen helfen, die Gesundheit Ihres Hundes besser zu beurteilen und Krankheiten früher zu erkennen. Oft bieten Hundevereine, private Hundeschulen oder Tierarztpraxen solche Kurse an, manchmal auch die regionalen Volkshochschulen. Achten Sie darauf, dass der Referent nicht irgendein Laie ist, sondern ein Tierarzt oder eine Tierärztin (am besten schon mit etwas Praxiserfahrung). Als Gedächtnisstütze nach dem Kursbesuch kann das Taschenheftchen „Notfallbuch für den Hund: Kleiner Leitfaden zur Ersten Hilfe“ von Pasquale Piturru mit Illustrationen von Heinz Grundel dienen.

Sich die richtige Tierarztpraxis aussuchen

Ihr Haustierarzt und sein Team sollten gut qualifiziert sein und sich regelmäßig weiterbilden. Die Ausstattung mit Röntgen, Ultraschall, Inhalationsnarkosen und Weichteilchirurgie gehören heutzutage zu einer gehobenen Haustierarztpraxis dazu. Manche Fälle wird der Tierarzt Ihres Vertrauens zu Spezialisten überweisen. Deren Qualifikation und Praxisausstattung ist in dem entsprechenden Fachgebiet überdurchschnittlich hoch und entsprechend teuer.

Oft sind Tierarztpreise auf dem platten Land billiger als beispielsweise im Zentrum von München oder Frankfurt, denn sie werden von niedrigen Lebenshaltungskosten bzw. besonders hohen Ausgaben für Mieten und Personal beeinflusst. Rechnet sich ein weiterer Weg wirklich? Fahren Sie pro Wegstrecke 45 Minuten länger, um an einer Impfung € 10,- zu sparen, haben Sie unter Berücksichtigung von Zeitaufwand und Fahrtkosten möglicherweise am falschen Ende gespart. (Von Umweltaspekte ganz abgesehen.)

Zwischen Ihnen und Ihrem Haustierarzt sollte die Chemie stimmen. Zum Wohle Ihres Hundes sollten Sie möglichst gut zusammenarbeiten. Das ist m.E. nur mit gegenseitigem Vertrauen möglich.

Den Tierarztbesuch vorbereiten

Nehmen Sie den Impfpass zum Tierarztbesuch mit. Datum und Präparate der letzten Parasitenbehandlungen (Wurmkur, Zeckenprophylaxe) sind ebenso interessant wie bei Hündinnen Datum, Dauer und Abstände der Läufigkeiten. Wichtig sind (relevante) Vorerkrankungen und Dauermedikamente. Nehmen Sie eine Liste mit Präparatenamen und Dosierung mit oder stecken Sie die Medikamentenschachteln ein. Fotos auf dem Handy reichen aus, sofern man die Präparatenamen entziffern kann. In Ihrer Haustierarztpraxis sollten diese Informationen in der Praxissoftware gespeichert sein, aber im Notdienst liefern Sie wertvolle Informationen.

Je nach Gesundheitsproblem wird Kot, Erbrochenes oder Urin untersucht. Bringen Sie vorsichtshalber Proben mit. Urin muss allerdings ganz frisch sein. Kotproben sammelt man am besten von drei aufeinanderfolgenden Tagen. (Sollten die Proben nicht gebraucht werden kann man sie ja immer noch wegschmeißen.)

Notieren Sie die beobachteten Symptome auf einem Zettel (die jüngere Generation: in ihr Handy). In der Aufregung des Praxisbesuches vergessen Sie so kein Detail. Fotos oder Videos können das Problem veranschaulichen. Vor allem bei Krampfanfällen und Bewegungsstörungen sind Handyvideos enorm hilfreich!

Sich in der Tierarztpraxis nicht unbeliebt machen

In der Coronakrise hat allein 2019 bis 2020 die Anzahl der Hunde um mehr als 25% zugenommen. Auch Katzen und Heimtiere (also Kaninchen und Co.) wurden verstärkt angeschafft. Die Anzahl der Tierärzte hat aber nicht im gleichen Umfang zugenommen. Wie auch? Allein das Studium dauert mindestens fünfeinhalb Jahre! (Und zwar ohne Promotion und Fachtierarztausbildung.)

Die meisten Praxen sind aktuell total überlastet. Termine sind immer schwieriger zu bekommen. Für ausgeweitete Sprechzeiten zur Bewältigung des erhöhten Andrangs fehlt schlicht und ergreifend das Personal (Stichwort: Fachkräftemangel). Das Arbeitszeitgesetz und die Tarifverträge verbieten es, einfach die Stundenzahl der Mitarbeiter aufzustocken.

Ein selbständiger Tierarzt unterliegt zwar nicht den arbeitszeitrechtlichen Beschränkungen, braucht aber trotzdem (oder gerade deswegen?!) Zeit für Erholung und Entspannung. Er will ja am nächsten Tag wieder sein Bestes geben! Um nicht direkt ins Burnout zu schlittern, haben viele Tierarztpraxen jetzt einen Neukundenstopp verhängt. Andere Praxen bereinigen ihre Kundenkartei. Warum sollte ein Praxisteam jemandem Extraservice bieten (z.B. in Form von Überstunden oder noch mehr Stress in der Sprechstunde), der stets unfreundlich ist, Termine nicht einhält, eine schlechte Zahlungsmoral hat, dessen Hund so umgänglich ist wie ein hungriges Krokodil oder der in den sogenannten sozialen Medien über die Praxis herzieht?

Die neue GOT

Ab 22.11.2022 tritt die neue, komplett überarbeitete Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) in Kraft. Die Tierarztkosten werden voraussichtlich um rund 30% steigen. Um wieviel Euro genau die einzelnen Leistungen teurer werden, dürfte von Praxis zu Praxis anders ausfallen.

Die GOT legt einen gesetzlich vorgegebenen Kostenrahmen fest. Zu normalen Sprechzeiten müssen Tierärzte vom 1,0-fachen bis zum 3,0-fachen Satz der GOT, im Notdienst zwischen dem 2,0-fachen und 4,0-fachen Satz zuzüglich Fallpauschale abrechnen. Innerhalb dieser Spanne dürfen die Gebühren „nach billigem Ermessen“ frei festgelegt werden. Je nach Qualifikation, Praxisausstattung, geografischer Region, Kosten- und Personalstruktur, aber auch je nach Umfang der erbrachten Leistung, hat jede Praxis ihre individuellen Preise.

Zwei Beispiele sollen das verdeutlichen:

Eine Tollwutimpfung beim Hund setzt sich zusammen aus den einzelnen Posten „Allgemeine Untersuchung mit Beratung“ (GOT-Nr. 16) zur Feststellung der Impffähigkeit des Patienten, „Ablesung eines Mikrochips“ (GOT-Nr. 240) zur Identifizierung des Impflings und Funktionskontrolle des Transponders, „Injektion subkutan“ (GOT-Nr. 221) zur Verabreichung des Impfstoffs und „Impfbescheinigung“ (GOT-Nr. 87) für die Eintragung im EU-Heimtierausweis. Dazu kommen die Kosten für Verbrauchsmaterial incl. Impfstoff. Auf alles muß die gesetzliche Mehrwertsteuer in Höhe von 19% erhoben werden. Die Tabelle zeigt das übersichtlicher:

Schwieriger wird es beim HD-Röntgen. Es gibt viele verschiedene Anästhesieverfahren und ganz unterschiedliche (und unterschiedlich teure) Narkosemittel. Die Narkoseüberwachung reicht von „mein Lehrling guckt ab und zu, ob der Patient noch lebt“ (keine angenehme Vorstellung, wenn es um den eigenen Hund geht!) bis zu „eine speziell geschulte Tiermedizinische Fachangestellte überprüft unter Zuhilfenahme von maschinellem Monitoring laufend Vitalparameter einschließlich Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und CO2 und protokolliert die Befunde“. Der Platz reicht hier gar nicht für alle denkbaren Varianten. Ich habe deshalb drei realistische Szenarien ausgesucht.

Weil es so viele Variationsmöglichkeiten gibt (also viele unterschiedliche und unterschiedlich viele Leistungen), sind die möglichen Preisunterschiede beim HD-Röntgen entsprechend höher als bei der Tollwutimpfung. Die Spanne reicht in meinem Beispiel von € 158,33 brutto bis zu € 1413,29 brutto. In der teuersten Variante zum GOT-Höchstsatz ist allein der Mehrwertsteuerbetrag höher als der Gesamtpreis in der Billigvariante zum niedrigsten GOT-Satz.

Sie als Tierbesitzer sollten sich darüber klar sein, dass verschiedene Preise nicht nur durch unterschiedliche GOT-Sätze zustande kommen, sondern eben auch durch verschieden umfangreiche Leistungen. Hört der Tierarzt vor der Narkose das Herz ab? Legt er einen Venenzugang? Sichert er die Atemwege durch Intubation? Stützt er den Kreislauf durch Infusion? Verwendet er moderne, teure Narkosemittel? Man darf Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. (Ich persönlich halte es für verantwortungslos, beim HD-Röntgen eine „Holzhammernarkose“ ohne jegliche Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen. Klar sind die Patienten meist junge, gesunde Hunde. Ihr Narkoserisiko ist entsprechend klein. Trotzdem sind Komplikationen nie auszuschließen. Eine sorgfältige Narkose mit Sicherheitsvorkehrungen und lückenloser Überwachung kann über Leben und Tod entscheiden. Das kostet allerdings Geld.)

Fazit

Nicht nur Sie, auch Ihr Tierarzt leidet unter der momentanen Kostenexplosion. Energiekosten und Inflation schlagen sowohl in der Praxis als auch im Privatleben voll durch. Gute (Tier)Medizin kostet nun mal Geld. Ein vor 20 Jahren in der Humanpraxis ausrangiertes Ultraschallgerät erlaubt (wenn überhaupt) weniger präzise Diagnosen als ein modernes HighEnd-Gerät. Ein Inhalationsnarkosegerät macht Anästhesien erheblich sicherer als rustikalere Betäubungsmethoden.

Teure Überwachungsmonitore verbessern die Überlebensraten in der Narkose deutlich. Mangel an geschultem Personal führt möglicherweise dazu, dass z.B. frisch operierte Patienten unbeaufsichtigt sich selbst überlassen bleiben oder oberflächlich angelernten Mitarbeitern ohne Fachkunde und Erfahrung hilflos ausgeliefert sind. Gerade der Fachkräftemangel wirkt sich in der Veterinärmedizin immer stärker aus. Weil dem Arbeitsmarkt weniger Tierärzte und Tiermedizinische Fachangestellte (TFAs) zur Verfügung stehen als benötigt werden, schränken Praxen ihre Sprechstunden ein und schaffen Kliniken die Not- und Nachtdienste ab.

Eine Erhöhung der Tarifgehälter für TFAs um gut 30% ab Oktober 2022 soll dabei helfen, mehr Menschen für diesen abwechslungsreichen, interessanten, verantwortungsvollen und sehr befriedigenden (aber auch fordernden und anstrengenden) Beruf TFA neu zu gewinnen bzw. schon ausgebildete Mitarbeiter von der Abwanderung in andere Tätigkeiten mit angenehmeren Arbeitszeiten, weniger Belastung und höherem Gehalt abzuhalten.

Suchen Sie keine billige, sondern eine preiswerte Tierarztpraxis. Im Gegensatz zu „billig“ bezeichnet das Wort „preiswert“ etwas, das seinen Preis wert ist.

Hundehaltung ist ein teures Hobby. Kalkulieren Sie die Tierarztkosten ebenso ein wie das Geld, das Sie für Futter, Leckerli, Hundesteuer, Hundehalter-Haftpflichtversicherung, die Fahrten zum Hundeplatz, Startgebühren für Ausstellungen und Prüfungen, Aufschläge im Hotel, Ersatz zerbissener Hausschuhe usw. ausgeben müssen. Schätzen Sie Ihre finanzielle Lage realistisch ein. Sorgen Sie dafür vor, dass Sie notwendige tierärztliche Behandlungen für Ihren Hund bezahlen können.

Jetzt drücke ich die Daumen, dass Ihr Hovawart pumperlgesund ist und das auch möglichst lange bleibt.

Tierarztkosten Bundesgesetzblatt


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Süße Hovawart Hunde