Die Sprechstunde: „Männersachen“ Teil 2

Erkrankungen, die überwiegend Rüden betreffen

Als Zuchtverein achten wir sehr auf die Gesundheit unserer Hunde. Die Fruchtbarkeit gehört natürlich unbedingt dazu. In dieser 2. Folge unserer losen Reihe „Die Sprechstunde“ geht es noch einmal um die Rüden.


TEXT Dr. Claudia Veit GRAFIKEN RZV-Archiv

ANDROLOGISCHE ERKRANKUNGEN
Es gibt eine Vielzahl von geschlechtsspezifischen Erkrankungen. Hier beschränke ich mich auf die wichtigsten.

VORHAUTENTZÜNDUNG (PRÄPUTIALKATARRH)
Ein Katarrh wird definiert als eine mit Sekretbildung verbundene Entzündung der Schleimhaut, in diesem Fall der Schleimhaut des Präputiums. Fast alle geschlechtsreifen Rüden haben einen mehr oder weniger ausgeprägten Vorhautkatarrh. Sie „tröpfeln“ dann aus der Vorhautöffnung und belecken sich vermehrt. Das Sekret kann wässrig bis schmierig sein. Seine Farbe variiert von klar über trüb, weißlich, gelblich bis zu grünlich. Diese Krankheit ist harmlos. Bei sehr starkem Ausfluss behandelt man mit Spülungen der Vorhaut. Meistens reichen mild desinfizierende Flüssigkeiten, die es für diesen speziellen Zweck beim Tierarzt gibt. Auch stark verdünnte Betaisodona-Lösung oder einfache isotonische Kochsalzlösung ist geeignet.

Eine Vorhautverengung begünstigt das Entstehen eines Präputialkatarrhs. Im Zusammenhang mit bestimmten infektiösen Tumoren kann auch die Vorhaut betroffen sein. Vor allem in der Grannensaison kann eitriger Ausfluss aus der Vorhaut durch einen Fremdkörper bedingt sein. Das kommt zwar nicht gerade häufig vor (meistens landen die Grannen in Ohren und Pfoten), ist aber möglich.

PHIMOSE
Bei einer Verengung der Vorhautöffnung fließen Schleimhautsekrete nicht gut ab. Entzündungen können die Folge sein. Der Penis kann durch die zu enge Öffnung nicht ausgeschachtet werden. Ein Deckakt ist so unmöglich. Nicht nur bei potentiellen Deckrüden wird diese Fehlbildung durch eine kleine Operation behoben.

SKROTALEKZEM
Gelegentlich treten Hautentzündungen am empfindlichen Hodensack auf. Ursache können Allergien, Verätzungen (z.B. nach Kontakt mit scharfen Putzmitteln oder reizenden Chemikalien), Verbrennungen, Erfrierungen, kleine Verletzungen oder Hautparasiten sein. Auch Entzündungen der Hoden selbst können auf den Hodensack ausstrahlen.
In harmlosen Fällen behandelt man mit für die besonders empfindliche Haut geeigneten Wundsalben und schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten. Kühlende Umschläge bringen zusätzlich Linderung. Schwere Fälle benötigen u.U. darüber hinaus hautgängige Antibiotika.

PROSTATAVERGRÖSSERUNG
Eine sehr häufige Krankheit bei älteren Rüden ist die Vergrößerung der Prostata. Meistens handelt es sich um eine harmlose Größenzunahme des Organs, oft begleitet von innerhalb (intraprostatisch) und/oder außerhalb (extraprostatisch) liegenden Zysten. Auch Entzündungen bewirken eine, dann meist schmerzhafte Schwellung. Bösartige Prostatatumoren sind zum Glück beim Hund selten.
Unabhängig vom Harnabsatz auftretende Blutungen aus der Harnröhre deuten auf eine Prostataerkrankung hin. Anders als beim Menschen-Mann, der Probleme beim Wasserlassen bekommt, ist beim Hund das häufigste Symptom ein beeinträchtigter Kotabsatz. Solange die vergrößerte Prostata innerhalb der Beckenhöhle liegt, wird der Durchmesser der „Häufchen“ kleiner oder die Kotform ändert sich von rund zu abgeflacht. Rutscht das vergrößerte Organ vor das knöcherne Becken, kann der Enddarm buchstäblich unbeeindruckt arbeiten und der Kot sieht normal aus.

< Abb.: Die Prostata oder Vorsteherdrüse befindet sich im Becken des Rüden und umschließt die Harnröhre.

Eine harmlos vergrößerte Prostata kann, muss aber nicht mit Schmerzen verbunden sein. Manche Rüden zeigen Unwohlsein bis hin zu Schmerzen beim Kotabsatz oder „drücken“ angestrengter. Vor allem bei sehr festem, trockenen Kot ist sogar Verstopfung möglich. Die Rutenhaltung kann sich bei Prostataproblemen ändern; der Rutenansatz steht dachartig etwas ab. Bewegungsstörungen, vor allem Hinterhandprobleme, können durch Prostataerkrankungen verursacht oder verstärkt werden. Unwillkürliches Harnträufeln scheint insbesondere bei Prostatazysten aufzutreten.

Bei Verdacht auf eine Prostataerkrankung wird das Organ abgetastet und mit Ultraschall untersucht. Bei Bedarf werden zusätzliche bildgebende Verfahren (CT oder MRT) und Biopsien durchgeführt. Je nach Symptomen, Befunden und individuellen Umständen stehen dann verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

1) Tabletten, die alle fünf Monate über jeweils sieben Tage eingeben wer-den, verhindern das Ansprechen des Prostatagewebes auf die männlichen Geschlechtshormone. Dadurch ver-kleinert sich das Organ, auch intrapro-statische Zysten werden kleiner. Ext-raprostatische Zysten reagieren leider wenig bis gar nicht auf dieses Medika-ment. Die Deckfähigkeit samt Libido bleibt erhalten.

2) Antiandrogene wirken gegen männ-liche Geschlechtshormone. Sie können bei Prostatahyperplasie, Adenomen he-patoider Drüsen und hormonbedingter Aggressivität eingesetzt werden, aber z.B. auch bei weiblichen Tieren zur Brunstauslösung und Zyklussynchronisation. Bis zur Entwicklung besserer Verfahren waren entsprechende Depotspritzen zur Behandlung der Prostatavergrößerung üblich. Während der Wirkungsdauer können die Rüden normalerweise nicht zur Zucht eingesetzt werden. Derzeit ist dieses Präparat für Hunde meines Wissens nicht mehr lieferbar.

3) Die „chemische Kastration“ durch Implantation eines Depotmedikamentes steht seit einigen Jahren für Rüden zur Verfügung. Fälschlicherweise wird das oft als „Hormon-Chip“ bezeichnet. Hier wird aber kein Hormon verabreicht. Der unter die Haut gesetzte Chip gibt kontinuierlich eine niedrige Dosis eines sogenannten GnRH-Agonisten ab. Dieser wirkt wie das körpereigene, im Hypothalamus gebildete GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon, Gonadotropin-Freisetzungshormon). GnRH steuert in einem Regelkreis über die Freisetzung der Hormone LH und FSH die Produktion der Geschlechtshormone. (Dieser Regelkreis wird als Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse bezeichnet.) Ein GnRH-Agonist senkt in diesem Regelkreis über einen Rückkopplungsmechanismus den Testosteronspiegel. Die Wirkung hält bis zu sechs Monate („Halbjahres-Chip“) bzw. bis zu 12 Monaten („Jahres-Chip“) an. Bevor die rückkopplungsbedingte Senkung der Geschlechtshormon-Produktion eintritt, wird anfangs LH und FSH zunächst hochgeregelt.

Nach der ersten Implantation eines derartigen Chips verstärkt sich kurzfristig alles, was mit Testosteron zu tun hat (also Machogehabe, Aggressivität, Sexualverhalten). Nach zwei bis sechs Wochen setzt dann die erwünschte, herunterregelnde Wirkung ein: der Rüde verhält sich wie ein Kastrat. Seine Prostata schrumpft ebenso wie seine Hoden, der Rüde hebt seltener das Bein, verliert seine Libido (hat also kein Interesse an läufigen Hündinnen), wird umgänglicher, hat mehr Appetit und setzt schneller Fett an. So ein Chip ist ein guter Test, wie sich eine chirurgische Kastration auf den Rüden auswirken könnte. Vereinzelt gibt es übrigens Fälle, wo sicher gechippte Rüden erfolgreich gedeckt haben.

4) Die chirurgische Kastration ist eine sehr erfolgreiche und nachhaltige, aber natürlich irreversible Behandlungsmög-lichkeit. Ihren Vor- und Nachteilen wird ein eigener Artikel gewidmet.

HODENTUMOR
Vor allem bei älteren Rüden können Tumoren im Hodengewebe auftreten. Überwiegend handelt es sich um gutartige Neubildungen. Die von ihnen produzierten Hormone können starke Symptome hervorrufen, u.a. Haarausfall, Hautveränderungen, Verweiblichung (z.B. Vergrößerung der Zitzen und Anbildung eines Gesäuges), Prostataveränderungen, Knochenmarksuppression mit Blutarmut etc.. Wahrscheinlich begünstigen Hodentumore auch das Auftreten von Perinealhernien und Prostataerkrankungen.
Bei der regelmäßigen Körperpflege sollten beim Rüden immer mal wieder die Hoden abgetastet werden. Bei Hodentumoren ist typischerweise ein Hoden in seiner Konsistenz verändert, während der andere schrumpft. Der vom Tumor befallene Hoden kann derbe, knotige Strukturen enthalten und sich insgesamt vergrößern. Kryptorchide Hoden haben übrigens ein erheblich höheres Entartungsrisiko als in den Hodensack abgestiegene.

Bitte melden Sie diese und auch andere Erkrankungen und Todesfälle. Sie helfen damit unseren Züchtern und leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit unserer Rasse. Schreiben Sie eine E-Mail an: gro.t1713410717rawav1713410717oh@nn1713410717ameit1713410717.nits1713410717rek1713410717, melden Sie sich telefonisch unter 0160 977 173 30 oder nutzen Sie dieses spezielle Formular.


Lesen Sie zu diesem Thema auch Männersachen Teil 1

Beitrag eingestellt durch presse.olnds

Süße Hovawart Hunde