Kehlkopflähmung

Im Extremfall lebensbedrohlich

Vor allem bei älteren Hunden großer Rassen hört man gelegentlich, dass ihr Hecheln rauer und die Stimme heiserer wird. Ursache kann eine Kehlkopflähmung sein. Medizinisch heißt diese Erkrankung Larynxparalyse.


TEXT Dr. Claudia Veit GRAFIKEN RZV-Archiv

WAS IST DER KEHLKOPF EIGENTLICH?
Der aus mehreren Knorpeln zusammengesetzte Kehlkopf (Larynx) liegt im oberen Halsbereich. An der Halsunterseite kann man ihn als derbe Struktur fühlen. Diese Gegend nennt man naheliegenderweise Kehle. Schnauzenwärts ist der Larynx über Muskeln und ein als Zungenbein bezeichnetes Knöchelchen mit der Zunge, halswärts mit der knorpeligen Luftröhre verbunden. In seiner unmittelbaren Nachbarschaft liegt der Schlund. So nennt man den Übergang von der hinteren Maulhöhle zur Speiseröhre. Nach vorne ragt der dreieckige Kehldeckel (Epiglottis). Innerhalb des Kehlkopfs bilden zwei als Stimmbänder bezeichnete Gewebefalten die senkrecht verlaufende Stimmritze (Rima glottis).

WAS MACHT DER GESUNDE KEHLKOPF?
Durch den Larynx strömt beim Ein- und Ausatmen die Luft. Die Stimmritze ist dabei weit geöffnet. Willkürliche Bewegungen der Rima glottis ermöglichen zusätzlich die bewusste Erzeugung von Tönen (Bellen, beim Menschen Sprache). Der bewegliche Kehldeckel schützt vor dem Verschlucken, indem er den Kehlkopf abdichtet und Futter und Wasser zur Speiseröhre leitet. Zusätzlich wird die Stimmritze beim Schlucken durch Zusammenziehen der beiden Stimmbänder abgedichtet. Wasser, Futter und Fremdkörper in Kehlkopf und Luftröhre lösen den Hustenreflex aus.

WODURCH ZEIGT SICH EINE LARYNXPARALYSE?
Es gibt mehrere Symptome, die auf eine Kehlkopflähmung hindeuten:

> raueres Atmen
> veränderte Atemgeräusche (Pfeifen, Keuchen, Röcheln)
> heiseres Bellen, leiseres oder tonloses Bellen
> Leistungsschwäche
> Husten
> Schluckstörungen
> vermehrtes Speicheln
> Lungenentzündung
> Atemnot

Die Symptome rechtfertigen den Verdacht auf Larynxparalyse, können aber auch durch andere Krankheiten hervorgerufen werden. Die Krankheit beginnt i. d. Regel schleichend und verstärkt sich mit zunehmender Dauer. Sie verläuft also progredient. Am Ende droht der Erstickungstod.

WAS VERURSACHT EINE KEHLKOPFLÄHMUNG?
Die Symptome entstehen – wie der Name nahelegt – durch eine Lähmung der Kehlkopfmuskulatur. Ursache ist eine vorübergehende oder dauerhafte Schädigung der versorgenden Nerven. Die Larynxparalyse kann viele Ursachen haben:

WIE WIRD DIE DIAGNOSE GESTELLT?
Die Symptome sind zwar recht typisch, können aber auch andere Ursachen haben. Um eine Kehlkopflähmung eindeutig festzustellen, muss die Stimmritze in Narkose untersucht werden. Üblicherweise wird dazu ein Endoskop genutzt.

WIE BEHANDELT MAN EINE LARYNXPARALYSE?
Bei Kehlkopflähmungen durch traumatische Ereignisse, Entzündungen, Fremdkörper und diverse Grunderkrankungen bessern sich die Symptome nach erfolgreicher Behandlung dieser Grundursachen. Da möglicherweise ein autoimmunes Geschehen eine Rolle spielt, können immunmodulierende Medikamente versucht werden. Therapiebegleitend werden abschwellende und/oder hustenlindernde Mittel eingesetzt. Wenn die Atmung zu stark beeinträchtigt ist, muss die Stimmritze durch einen chirurgischen Eingriff erweitert werden. Es gibt verschiedene OP-Techniken. Die Erfolgsquote ist glücklicherweise hoch. Trotzdem können Probleme auftreten. Neben Komplikationen bei der Operation selbst und Wundheilungsstörungen besteht anschließend ein erhöhtes Risiko für Verschlucken und nachfolgende Lungenentzündungen.

Riskant ist danach z.B. das Schwimmen, bei dem Wasser aus natürlichen Gewässern in die Atemwege eindringen und schwere Entzündungen verursachen kann.
Ob erst operiert werden soll, wenn die Hunde starke Beschwerden zeigen oder schon beim Auftreten erster Symptome, hängt von vielen Faktoren ab.


Kehlkopflähmung im RZV
In unserer Datenbank sind bei Hunden ab dem Jahrgang 2000 insgesamt 187 Fälle von Kehlkopflähmung erfasst. Rüden scheinen etwas häufiger betroffen zu sein als Hündinnen. Das durchschnittliche Erkrankungsalter ist in etwa gleich: Bei Rüden 11,1 Jahre – bei Hündinnen 11,3 Jahre. Bei einem Rüden trat eine Kehlkopflähmung bereits mit 8,2 Jahren auf, eine Hündin erkrankte schon mit 7,8 Jahren. Bei einigen Hunden wurde nicht gemeldet oder notiert, in welchem Alter die Erkrankung auftrat. Bei 29 Rüden und 24 Hündinnen war die Kehlkopflähmung auch Todesursache.

Wie Dr. Claudia Veit in ihrem Artikel schreibt, ist eine genaue Ursache für Kehlkopflähmungen beim Hovawart noch nicht bekannt. Leider werden viele Fälle von Kehlkopflähmungen nicht gemeldet. Wir gehen aufgrund der Einträge in den sozialen Medien und den hinter vorgehaltener Hand mitgeteilten Fällen von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Damit die Erkrankung in den Paarungsplanungen der Züchter berücksichtigt werden kann, müssten dem RZV möglichst alle Fälle gemeldet werden. Auch mit den wenigen gemeldeten Fällen scheint eine familiäre Belastung wahrscheinlich und daraus resultierend eine genetisch bedingte Veranlagung.

Bitte melden Sie sich bei uns, wenn Ihr Hund erkrankt oder verstorben ist. Auch wenn Ihr Hund schon alt ist und nicht erkrankt – bitte informieren Sie uns darüber – es ermöglicht uns dann auch die Selektion auf positive Eigenschaften. Jeder einzelne Hund ist wichtig! Auch dann, wenn er nicht selbst Nachkommen hat.

Bitte nutzen Sie unseren Fragebogen oder schreiben Sie eine E-Mail an: gro.t1713413054rawav1713413054oh@nn1713413054ameit1713413054.nits1713413054rek1713413054


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