Süße Hovawart Hunde

Liebe Mitglieder,

wir möchten Euch über erste Ergebnisse unseres aktuellen Genetik-Projektes informieren. Mit Datum vom 27.01.2026 ist die DNA von 56 Hunden ausgewertet. Darunter sind bereits 10 Hündinnen und 6 Rüden mit einer Zuchtzulassung. Weitere Hunde werden in den nächsten Tagen ausgewertet. Zu einigen Hunden haben wir auch die Daten von Geschwistern und Nachkommen / Elterntieren. 

Sehr unterschiedliche Testergebnisse bei Vollgeschwistern

Neben dem genomischen Inzuchtkoeffizienten wird auch die Diversität der Hunde untersucht. Insbesondere die Verteilung der ROH (Runs of Homozygosity) – Bereiche ist sehr spannend und zeigt, wie unterschiedlich die DNA bei Geschwistern aussehen kann. 

Wir sehen sowohl identische ROH-Bereiche an bestimmten Chromosomen aber gleichzeitig sehr unterschiedliche zusätzliche ROH-Bereiche und Heterozygotie-Anteile zwischen den einzelnen Hunden.
Aus der Verteilung der ROH-Bereiche resultiert der individuelle Beitrag des Hundes für eine Verpaarung.  

Durchschnittlicher genomischer Inzuchtkoeffizient bei 29%

Anhand der von Generatio ermittelten Daten wissen wir nun, dass der durchschnittliche genomische Inzuchtkoeffizient auf der Basis der getesteten Hunde bei 29% liegt. Das klingt hoch und das ist es auch. Allerdings war das auch zu erwarten. Der derzeit niedrigste ermittelte Wert ist 23,1% und der höchste 35,07%.


Auch bei individuell hohem gIK der Eltern kann der gIK bei Nachkommen deutlich niedriger sein!

4 Nachkommen des Hundes mit dem höchsten genetischen IK (35,07%) wurden untersucht. Der niedrigste genomische IK der Nachkommen beträgt 23,16% und der höchste 28,8%. Wir sehen also, dass durch diese Verpaarung kein Anstieg der Inzucht zu verzeichnen ist – im Gegenteil!

Auch der umgekehrte Fall ist möglich!

Das folgende Beispiel zeigt, dass es auch anders sein kann:

Mutter mit durchschnittlichem gIK und Vater mit geringem gIK – bei fast allen Nachkommen liegt der gIK über dem der Mutter!

In unserem Zoom-Meeting mit Herrn Dr. Manz (Tierarzt und Geschäftsführer von Generatio) am 21.01.2026, an dem viele Züchter und Deckrüdenbesitzer teilgenommen haben, wurde ausführlich erklärt, warum der ahnentafelbasierte Inzuchtkoeffizient sehr unzuverlässige Aussagekraft hat. Nach Ahnentafeln gehen wir davon aus, dass alle Hunde eines Wurfes identisch sind: Sie sind es aber nicht! Unter Geschwistern weichen nicht nur die ROH-Bereiche erheblich ab. Auch der genetische Inzuchtkoeffizient variiert um mehrere Prozent.

Nicht der Hund wird bewertet, sondern die Verpaarung!

Das Ergebnis des einzelnen Hundes stellt kein Qualitätsmerkmal dar. Anhand eines von Generatio ermittelten Rankings kann jedoch die „Qualität“ einer Verpaarung im durch Züchter angestrebten Sinn ermittelt werden. Manche Züchter möchten eine möglichst geringe Inzucht, was unter verschiedenen Aspekten natürlich absolut zu befürworten ist. Andere Züchter wiederum wünschen sich eine moderate Inzucht, was in einigen Fällen durchaus legitim ist. In beiden Fällen gilt jedoch: Die Bewertung nach Ahnentafel ist im Grunde kaum aussagekräftig. Weder kann man davon ausgehen, dass nach Ahnentafel bis in die 5. Generation nicht verwandte Tiere sich nicht doch genetisch sehr ähnlich sind, noch kann man gezielt mit moderater Inzucht züchten.

Aussage des genomischen Inzuchtkoeffizienten

Der genomische Inzuchtkoeffizient lässt Rückschlüsse auf die Wahrscheinlichkeit zu, mit welcher aufgrund von Inzucht Erbanlagen in reinerbigem Zustand vorliegen. Dies gilt sowohl für Erbanlagen zu erwünschten und rassespezifischen Merkmalen als auch für die Vererbung schädlicher, rezessiver Erbanlagen. 

Je höher der GIK-Wert, desto größer die Inzucht und umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass auch seltene schädliche, rezessive Erbanlagen reinerbig zusammenkommen und ihre Wirkung entfalten können.

Rassebedingte Inzucht

Im Zoom-Meeting wurde die Frage nach der rassespezifischen Inzucht gestellt. Um die Bereiche zu finden, aus deren Homozygotie die Rasse resultiert, brauchen wir mindestens 100 getestete Hunde – besser mehr! Die Wahrscheinlichkeit, diese Eigenschaften zu verlieren, ist gering, da sie in der Rasse etabliert sind und alle Hunde diese Eigenschaften haben und somit auch vererben.

Wir brauchen Ihre Unterstützung

Um hier weiterzukommen, ist es wichtig, dass möglichst viele Hunde getestet werden, um sinnvoll verpaaren zu können. Dabei sind die Tiere, mit denen wir züchten natürlich enorm wichtig. Jeder getestete Rüde bietet Züchtern eine zusätzliche, objektive Entscheidungsgrundlage.

So geht’s weiter:

Wenn Sie bereit sind, Ihren Hund testen zu lassen, wenden Sie sich bitte an die Zuchtbuchstelle (gro.t1770737920rawav1770737920oh@el1770737920letsh1770737920cubth1770737920cuz1770737920).
Der Test Identität – Inzucht – Fitness kostet über den RZV rund 128,00 EUR. Er enthält den Identitätsnachweis ISAG2020, den Rüden bei Auslandsdeckakten meist ohnehin erbringen müssen. Probenmaterial wird von der Zuchtbuchstelle versendet. Die Kosten hierfür betragen 5,00 EUR. Wir empfehlen den Einsatz von Blutkärtchen. Diese können nach dem Trocknen bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden. Blut kann man sehr einfach selbst abnehmen – nahezu schmerzlos mit der beiliegenden Lanzette zum Beispiel aus den Lefzen – wenige Tropfen genügen. Man kann aber auch zum Tierarzt gehen, wenn man das nicht selbst machen möchte (Sinnvoll bei Rüden für Identitätsnachweis – Chipkontrolle – Beurkundung!)

Alternativ sind – bei einem Hund im Haushalt, nüchtern – auch Backenabstriche möglich, sicherer ist jedoch Blut!

Machen Sie mit!

Wir freuen uns, wenn Sie Ihren Hund testen lassen. Sie tragen damit zur Senkung des Inzuchtniveaus und damit zur Gesundheit und Fitness der Rasse bei.

Auch wenn Ihr Hund (noch) keine Zuchtzulassung hat, sind seine Untersuchungsergebnisse interessant. Langfristig ebenfalls wichtig sind Hunde mit einer Erkrankung / vom Standard abweichenden Merkmalen. Auch diese Hunde können bereits getestet werden. Bitte geben Sie in dem Fall auch an, um welche Erkrankung / Merkmal es sich handelt.

DANKE

Zur Info: Wir hatten ursprünglich vor, für diese Untersuchungen das in Kassel eingelagerte Blut zu verwenden. Aus zu vielen Blutproben konnte mit Standardverfahren jedoch keine DNA extrahiert werden. Die Ursache ist unklar.

Nachtrag: Warum Feragen-Ergebnisse und Generatio-Ergebnisse nicht kompatibel sind:

Für DNA-basierte Analysen von Inzucht und genetischer Vielfalt werden zehntausende SNP-Marker (Single Nucleotide Polymorphism) über SNP-Chips erfasst. Je höher die Marker­dichte, desto weiter zurück kann Inzucht zuverlässig erkannt werden.

Feragen arbeitet laut eigenen Angaben auf der Website mit ca. 60.000 SNPs und erfasst Inzucht etwa bis zur 6. Generation. Der 170.000 Marker-SNP-Chip von Generatio hat fast die dreifache Abdeckung – und kann damit auch weiter zurückliegende Inzuchtereignisse abbilden. Dies ist von großer Bedeutung, da die wesentliche Inzuchtanhäufung weiter zurückliegt, aber bis heute fortwirkt.

Zusätzlich ermöglicht Generatio auf Basis der SNP-Daten eine Bewertung möglicher Anpaarungen hinsichtlich des Inzuchtrisikos. Grundlage dafür ist die hochauflösende Erfassung mit dem 170k-SNP-Chip.

Generatio erstellt ROH-Profile – Feragen nicht. Dafür werden bei Feragen die DLA-Haplotypen untersucht. Diese spielen aber beim Ranking von Generatio keine Rolle (könnten aber untersucht werden). Aus unserer Sicht haben die DLA- Haplotypen keine große züchterische Relevanz, da bislang beim Hovawart nur 8 Haplotypen bekannt sind und über 30 % der Hovawarte denselben Halplotypen haben. Zudem gibt es Rassen, die nur einen einzigen Haplotypen in der Population aufweisen.
 

Süße Hovawart Hunde